Quelle: Fotolia / Urheber: George Dolgikh

Was Sie über das Fasten wissen sollten

01.03.2017

Es gibt zahlreiche Ratgeber in den Bücherregalen und auch Prominente schwören auf regelmäßige Fastenkuren. In der bevorstehenden Fastenzeit nehmen sich viele Menschen vor, auf bestimmte Nahrungsmittel und Laster zu verzichten, um Ihren Körper von „Müll“ und schlechten Gewohnheiten zu befreien. Doch bringen Fastenkuren zur Entgiftung überhaupt etwas? Wie läuft eine Fastenkur ab und welchen Nutzen hat diese für die Gesundheit?

Entgiftungs- bzw. Fastenkuren sollen den Körper von allen Schadstoffen wie Pestiziden aus Nahrungsmitteln, Umweltgiftstoffen und weiteren schädlichen Stoffen befreien. Es gibt verschiedene Möglichkeiten zum Entgiften. Einige verzichten auf bestimmte Genussmittel, um ihren Körper zu entlasten, die anderen entgiften radikal, indem sie einige Tage oder Wochen nur bestimmte Nahrungsmittel zu sich nehmen oder ganz auf feste Nahrung verzichten. Die Vorteile einer Fastenkur sollen in vielerlei Hinsicht dem Körper guttun. Es wird propagiert, dass man dadurch ein höheres Energieniveau hat, die Gesundheit davon profitiert, Entzündungswerte sinken, sich ein besseres Immunsystem aufbaut und zu guter Letzt als positiver Nebeneffekt ein Gewichtsverlust herbeigeführt werden kann.

Ist das Fasten wirksam?

Wir sind heutzutage mehr Toxinen aus der Umweltverschmutzung, Quecksilber in Fischen, Pestiziden, Kunststoffen ausgesetzt als in der Vergangenheit. Allerdings werden Toxine routinemäßig durch Leber, Nieren, Lymphsystem, Verdauungstrakt und Lungen eliminiert.

Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass eine Entgiftungskur die Freisetzung von Toxinen aus dem Fettgewebe und den Organen unterstützt. Der menschliche Organismus verfügt über die Möglichkeit, sich aus eigenen Nahrungsreserven zu ernähren.  Obwohl Sie einen schnellen Gewichtsverlust erleben können, wenn Sie Ihre Aufnahme von Kalorien stark einschränken, besteht das meiste verlorene Gewicht aus Wasser und Muskeln. Fett wird erst am Ende, wenn keinerlei andere Reserven mehr vorhanden sind, verbrannt. Das alte Gewicht wird wahrscheinlich schnell wiederkehren, sobald Sie zu Ihrem normalen Essverhalten zurückkehren.

Ist Fasten gesund?

Es gibt einige nicht unerhebliche Risiken, die bei einer Fastenkur auftreten können.
Fastenkuren können dafür sorgen, dass Ihr Körper dehydriert, wenn Sie nicht genügend Flüssigkeiten aufnehmen. Ebenso wird ein Verlust der Muskelmasse herbeigeführt, was zu Herzproblemen führen kann. Durch einseitige Fastenkuren fehlen dem Körper verschiedene wichtige Nährstoffe und der Stoffwechsel verlangsamt sich in der Regel.  Die unangenehmen Begleiterscheinungen wie Kopfschmerzen, Durchfall, allgemeine Schwäche und Konzentrationsstörungen treten sehr häufig bei Fastenkuren auf.
Menschen,  die ohnehin schon physisch geschwächt sind, insb. chronisch Kranke, ältere Menschen oder Personen, die unter Diabetes leiden, sollten von einer radikalen Fastenkur absehen. Bei Diabetes kann es zu einem gefährlichen Abfall des Blutzuckers kommen.

Auch Kinder, Jugendliche und Schwangere benötigen Energie zum Wachstum und sollte auf Fastenkuren ganz verzichten.

Tipps während der Fastenkur

  • Fragen Sie Ihren Hausarzt, welche Fastenkur für Sie und Ihren Gesundheitszustand am besten geeignet ist. Beginnen Sie erst nach Rücksprache mit dem Fasten.
  • Kauen Sie langsam und kauen Sie jeden Bissen gründlich. Ihr Magen hat somit weniger Verdauungsarbeit zu leisten.
  • Verzichten Sie auf Nikotin, wenn Sie rauchen. So hat Ihre Lunge mehr Kapazitäten zur Verfügung, um Alltagstoxine zu filtern und zu verarbeiten.
  • Das Gleiche gilt für Alkohol. Ihre Leber und Ihre Nieren sind rund um die Uhr im Einsatz, um giftige Stoffe zu verarbeiten und auszuscheiden.
  • Achten Sie zudem auf eine gesunde Ernährung mit ausreichend Obst und Gemüse, am besten in Bio-Qualität, da diese meist ungespritzt sind.
  • Verzichten Sie auf verarbeitete Lebensmittel mit hohem Zucker-und Fettanteil, vor allem, wenn Sie mit Lebensmittelzusätzen hergestellt worden sind. Legen Sie Wert auf eine hohe Qualität.
  • Einige Speisefische, wie z.B. Thunfisch, Aal, Stör, Rotbarsch, Schwertfisch, Hai und Makrelen enthalten ein hohes Maß an Quecksilber und sollten daher nicht verzehrt werden.
  • Bewegen Sie sich ausreichend an der frischen Luft, vor allem, wenn Sie in der Stadt leben.
  • Ein moderates Sportprogramm hilft Ihrem Körper, mehr Sauerstoff aufzunehmen und Ihren Stoffwechsel zu aktivieren.
  • Verwenden Sie bei Reinigungsmittel keine Produkte, die mit starken Chemikalien hergestellt worden sind.
  • Atemübungen helfen Ihnen, Ihren Körper mit Sauerstoff zu versorgen.
  • Am besten funktioniert fasten, wenn Sie sich freinehmen können. So haben Sie genügen Zeit, um zur inneren Ruhe zu gelangen, die Fastende oft erreichen. Im normalen Berufsalltag können Stresssituationen auftreten, die Ihr Vorhaben zu fasten, erschweren können. 

Für welche Form des Fastens Sie sich letztendlich auch entscheiden: Sie erweisen Ihrem Körper und Ihrer Gesundheit einen hohen Dienst, wenn Sie bewusst gesunde Nahrungsmittel zubereiten und durch regelmäßige sportliche Betätigung beweglich bleiben.  Kommen Sie gut durch die Fastenzeit!

Von: Marajka Parplies

Quellen: 
Brantschen N: Fasten neu erleben. Freiburg, Herder, 1999.
Wilhelmi de Toledo F, Friebe R, Hebisch D, Kuhn C, Platzer G, Schrag S: The Klinik Buchinger Programme for the treatment of obesity. In: Ditschuneit H, Gries FA, Hauner H, Schusdziarra V, Wechsler JG (eds): Obesity in Europe 1993. London, Libbey, 1994, pp 289–293.
Wilhelmi de Toledo F: Fasten/Fastentherapie. Physiologie des Fastens; in Bühring M, Kemper FH, Mathiessen PF (Hrsg.): Naturheilverfahren und Unkonventionelle Medizinische Richtungen. Springer, Loseblatt-System, Berlin, 1998.