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Personalmangel und hohe Kosten durch den Brexit schwächen das Gesundheitswesen

28.06.2017

Dortmund, 28.06.2017. Ärzte und Pflegekräfte in Großbritannien sind durch den geplanten EU-Austritt verunsichert und in großer Sorge. Viele Mitarbeiter aus dem Gesundheitswesen wollen Umfragen zufolge das Land nach dem Brexit verlassen. Momentan arbeiten rund 11% des medizinischen Personals aus EU-Ländern und 26% aus anderen ausländischen Staaten auf der britischen Insel. Laut der Lungenchirurgin Gunda Leschber, die in München zum Auftakt des 134. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) in München einen Vortrag hielt, treffe es vor allem Chirurgen. Wo früher gute Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen durch renommierte Universitäten und eine gute Work-Life-Balance dafür sorgten, dass häufiger Einwanderer auf die Insel kamen, erwägen viele von ihnen nun die Abwanderung. Durch den Brexit verlieren auch die ausländischen Studierenden ihr Anrecht auf ein Darlehen, um ihre Ausbildung zu finanzieren. Durch die Anheuerung von gut qualifiziertem Personal aus dem Ausland, hat Großbritannien eine lange Zeit weniger den eigenen Nachwuchs ausgebildet. Die gefürchtete Abwanderungswelle könnte zur Folge haben, dass viele Kliniken und Pflegeeinrichtungen geschlossen werden. Seitdem durch das britische Referendum auch der Pfund an Wert verloren hat, ist fraglich, ob das Land für Einwanderer weiterhin ein attraktives Arbeitnehmerland sein wird. Zudem haben viele Bedenken, ob sie in dem Land noch erwünscht sind, da schon jetzt ein Absinken der Stimmung gegenüber Ausländern zu spüren ist.

 

Welche Folgen das für die Patienten hat, liegt auf der Hand: Schon jetzt sind Kliniken und Pflegeeinrichtungen unterbesetzt und die Wartezeiten in Notfallambulanzen und bei Hausärzten lang. Wenn medizinisches Personal zukünftig an der Einwanderung gehindert wird oder durch die aufgehobene Visafreiheit das Land verlassen muss, werden in ca. 10 Jahren auch bis zu 70.000 Pflegekräfte fehlen, so die Denkfabrik Nuffield Trust in einem offenen Brief an die Bevölkerung.


Zudem würde der Brexit enorm hohe Kosten verursachen. Rund 190.000 Briten wanderten nach ihrer Pensionierung in die übrigen EU-Staaten aus, da die Gesundheitsversorgung dort oft günstiger ist als in Großbritannien. Sollte die EU britischen Pensionären den Zugang zum öffentlichen Gesundheits-system nach dem Brexit verwehren, müssten sie zwangsläufig wegen der Gesundheitsversorgung nach Großbritannien zurückkehren. Die Gesundheitsbehörde NHS (National Health Service) müsste rund eine halbe Milliarde Pfund zusätzlich jährlich aufbringen, um deren Versorgung zu gewährleisten. Brexit-Befürworter klagen allerdings an, dass viele Bewohner der EU-Staaten sich in Großbritannien gesundheitlich versorgen lassen und dadurch im britischen Gesundheitssystem zu hohe Kosten verursacht werden. Das und andere Gegenargumente wie höhere Kostenselbst-beteiligung und noch längere Wartezeiten in den Arztpraxen veranlassten die Bürger dazu, für das Referendum zu stimmen. Dass das Gesundheitssystem schon vorher Lücken aufwies, wurde dabei nicht berücksichtigt. Hauptgrund der Problematik war, laut Expertenmeinungen, eine nicht ausreichende Finanzierung der NHS. Die Sparmaßnahmen bekamen in erster Linie die Patienten und auch die Forschungseinrichtungen zu spüren. Budgetkürzungen sorgen auch hier dafür, dass die optimalen Forschungsbedingungen nicht mehr gewährleistet sind, da keine oder zu wenig finanzielle Mittel für das Personal und die Ausstattung zur Verfügung stehen.  Ob am falschen Ende gespart wird und wie sich das britische Gesundheitssystem zukünftig ohne EU-Mittel finanziert, muss sich in Zukunft zeigen.

 

text: Marajka Parplies

 

Quelle:

http://www.heute.de/marodes-britisches-gesundheitssystem-im-brexit-dilemma-46520698.html

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http://www.tt.com/home/13044973-91/denkfabrik-brexit-k%C3%B6nnte-gesundheitswesen-millionen-kosten.csp
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https://www.tagesschau.de/ausland/brexit-rentner-101.html

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http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-05/grossbritannien-jobs-eu-buerger-arbeitskraefte

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