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Lebensphase Wechseljahre

04.08.2017

Die Wechseljahre sind für viele Frauen ein sensibles Thema. Durchschnittlich treten diese zwischen 45 und 55 Jahren auf. Für einige werden sie auch mit dem „Altwerden“ gleichgesetzt. Der Beginn der Wechseljahre bedeutet jedoch nicht, dass man sich plötzlich alt fühlen muss.  Es wird zwischen vier Altersarten unterschieden: Das biologische Alter bezieht sich auf körperliche Vorgänge, die ab ca. dem 30. Lebensjahr zum Ressourcenabbau, wie z.B. Abbau der Muskelmasse, Zellteilungen, Haarausfall und andere Begleiterscheinungen führen können. Das soziale Alter beschreibt das sozialwissenschaftliche Altern aufgrund vom demografischen Wandel. Hierbei werden Verhaltensmuster verbunden, die mit dem vorherrschenden Alter in Verbindung stehen. Das psychologische Alter wird in psychisches und psychologisches Alter unterteilt. Gemeint ist damit das gefühlte Alter und bezieht sich auf Selbst- und Fremdwahrnehmungen. Das psychologische Alter wird auch durch Ab- und/oder Zunahme von Ressourcen wie z.B. bestimmte Verhaltensmuster, sei es gesundheitlich oder auf den Charakter und Interessen bezogen, bestimmt. Dennoch lässt sich sagen, dass das  Altern ein körperlicher Prozess ist. Es finden physische und  psychische Veränderungen statt. Da wären neben den körperlichen Begleiterscheinungen wie z.B. gesundheitliche Beschwerden auch das Bewusstsein, dass sich das eigene Aussehen ändert: Durch den eintretenden Östrogenmangel zeigen beispielweise die Haare und die Haut Anzeichen einer nachlassenden Spannkraft und Fülle; manche nehmen an Gewicht zu und verändern somit optisch ihren Körper. Durch das Schwitzen leiden viele Frauen unter Schlafstörungen, was dazu führt, dass sie im Alltag antriebslos und unausgeglichen sind. Zu wenig Schlaf behindert zudem die Durchblutung und die Zellteilung. Die Haut wirkt fahl und trocken und das kann dazu führen, dass Fältchen schneller sichtbar werden.

Frauen ab einem bestimmten Alter werden oftmals auch alterstypische Verhaltensweisen unterstellt. Dadurch bekommen sie einen festgelegten Platz und eine Rolle in der Gesellschaft zugeteilt. Sie sind dadurch vermeintlich nicht mehr interessant und daraus resultiert, dass sich auch das Selbstbild des alten Menschen ändert. Durch das Alter(n) und dem daraus resultierenden Aussehen werden Frauen stigmatisiert. Doch das muss nicht sein. Die Wechseljahre, auch Klimakterium genannt, was so viel wie Wendepunkt bedeutet, können als Möglichkeit der Veränderung und des Sich-Annehmens angenommen werden, trotz des unvermeidlichen Alterungsprozesses. Das fällt einigen Frauen leicht, andere jedoch haben mit unangenehmen Begleiterscheinungen und stärkeren Emotionen zu kämpfen.

Diese machen vielen Frauen zu schaffen. Doch sind die Wechseljahre keineswegs das Ende der Weiblichkeit, wie oftmals angenommen. Es kann eine Lebensphase sein, die man bewusst aushalten muss, um daran zu wachsen. Gerade heutzutage sind Frauen in der Mitte ihres Lebens in der Gesellschaft unverzichtbare Mitglieder. Auch finden es einige Frauen befreiend, sich nicht mehr mit PMS und Verhütung befassen zu müssen. Der Weg zur Menopause schließt jedoch eine späte Schwangerschaft nicht aus, deswegen sollten Frauen bis dahin noch Verhütungsmittel einsetzen.

Was genau zeichnet die Wechseljahre aus? Die Fruchtbarkeit nimmt ab und Regelblutungen finden nur noch unregelmäßig statt und stellen sich dann von selbst ein. Das wird auch Menopause genannt. Typische Begleiterscheinungen wie hormonbedingte Stoffwechselbeschwerden treten auf. Körperliche Symptome, die bei allen Frauen unterschiedlich stark ausgeprägt sind, können ein Hindernis sein, müssen aber nicht. Verantwortlich für das Hormon-Ungleichgewicht sind die Geschlechtshormone, allen voran Östrogen und FSH. Dabei kommt es zu unangenehmen Begleiterscheinungen, die sich in Schlafstörungen, depressiven Verstimmungen, Rückgang der Libido, Gewichtszunahme und in regelmäßigen Schweißausbrüchen zeigen können.

Die Ursachen für das Eintreten der Wechseljahre liegen bei der Verringerung der Hormonproduktion der Eierstöcke. Diese bilden die Geschlechtshormone Progesteron und Östrogen. Wo bisher noch jeden Monat ein neues Eibläschen, auch Follikel genannt, heranwächst, was wiederum Hormone produziert, wird während der Wechseljahre die Hormonproduktion nach und nach eingestellt und die Gebärfähigkeit nimmt ab, bis sie irgendwann ganz erliegt.

Durch den nachlassenden Östrogenspiegel treten noch weitere Nebenwirkungen auf, z.B. steigt die Wahrscheinlichkeit, unter Osteoporose zu leiden, die zu einer Instabilität der Knochen führt. Durch eine Hormonbeigabe kann das Risiko von Knochenbrüchen verringert werden. Auch das Risiko für Harnwegsentzündungen nimmt zu. Das sind nur einige der unangenehmen gesundheitlichen Einschränkungen. Durch eine Blutuntersuchung in einer Praxis für Frauenheilkunde können Frauen feststellen, wie hoch die Anteile verschiedener verantwortlicher Hormone im Blut sind, wenn diese sinken. Beschwerden können nach Absprache durch eine Hormontherapie gelindert werden. Diese werden auf die individuellen Beschwerden der Patientin angepasst. Um die Beschwerden so gering wie möglich zu halten, sollten Frauen sich eng mit ihrer Gynäkologin oder ihrem Gynäkologen beraten. Denn nur jemand vom Fach kann den weiblichen Körper ganzheitlich erfassen und beurteilen, welche Hormone in geeigneter Kombination verabreicht werden können.

Durch die Zugabe von Nahrungsergänzungsmitteln und pflanzlicher Präparate auf Östrogenbasis können Beschwerden gelindert werden. Meist wird eine Hormonkombination aus Östrogen und Gestagen empfohlen. Falls die Gebärmutter entfernt werden muss, wird nur eine Östrogenbeigabe verabreicht. Hormonpräparate gibt es als Spritzen, in Tablettenform, als Spray für die Schleimhäute, Pflaster oder lokal wirkende Hormonbeigaben in Form von Zäpfchen.

Eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung sollte fester Bestandteil des Lebens sein. Durch den Abbau von Kalzium, das für stabile Knochen zuständig ist, wird empfohlen, dass Frauen in den Wechseljahren Zeit mehr Milchprodukte verzehren sollten. Zu einer weiteren ausgewogenen Ernährung gehören auch frisches Obst und Gemüse in größeren Mengen und Vollkornprodukte. Tierisches Fett sollte vermieden werden. Zusammengenommen kann somit auch  der stoffwechselbedingten Gewichtszunahme vorgebeugt werden.

Frauen, die diese Wende durchlaufen, haben bereits eine Fülle an Lebenserfahrung gesammelt und wissen, wer sie sind und wie es im Leben läuft. Das Älterwerden sollte bewusst erlebt und zelebriert werden. Die Wechseljahre sollten Frauen demnach nicht als negativen Aspekt des Lebens ansehen. Frauen in dieser Phase müssen sich nicht mehr beweisen, sondern wissen ganz genau, wo sie stehen. Die Kinder sind meistens schon erwachsen oder auf dem Weg dorthin, beruflich wurden alle Ziele erreicht und auch in Partnerschaften haben Frauen ihre Erfahrungen gesammelt. Sie könnten sich gelassen zurücklehnen und auf ihre ertragsreichen Jahre zurückblicken, um dann weitere Pläne für die Zukunft machen. Gehen Sie gelassen in und durch diese Lebensphase und holen Sie sich die Unterstützung, die Sie benötigen.

Die Abteilungen für Frauenheilkunde sind hier aufgeführt:

https://www.kliniken.de/suche?q=frauenheilkunde

Text: Marajka Parplies

Quellen:

Bopp, Annette: Wechseljahre: Den eigenen Weg finden, Stiftung Warentest, Berlin 2010.

Derra, Julia Maria: Das Streben nach Jugendlichkeit in einer alternden Gesellschaft, Nomos Verlagsgesellschaft, Baden Baden 2012.

Lackinger Krager, Ingeborg: Wechseljahre, Wohlbefinden, Balance, Ausstrahlung, Gräfe und Unzer Verlag, München 2003.

Naumann, Frank: Schöne Menschen haben mehr vom Leben, Die geheime Macht der Attraktivität, S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2006.

Nissim, Nina: Wechseljahre, Wechselzeit. Ein Handbuch für Frauen, Orlanda Frauenverlag GmbH, Berlin 2008.