Krankheitsbilder 

Erkrankungen der Schilddrüse

Autor: Dr. Thilo Traska

Der Aufbau der Schilddrüse zeigt das typische Bild eines Schmetterlings. Die Schilddrüse besteht aus einem rechten und linken Seitenlappen, die mit einer kleinen Brücke miteinander verbunden sind. Bei einem gesunden Menschen wiegt das Organ zwischen 20 und 30 Gramm, wobei die Größe der Schilddrüse von Mensch zu Mensch verschieden ist.

Die Schilddrüse nimmt im menschlichen Körper zahlreiche wichtige Funktionen wahr. Sie ist unter anderem zuständig für die Produktion der beiden Hormone Trijodthyronin (T3) und Tetrajodthyronin (T4), deren Wirkungen sehr vielfältig sind. Sie beeinflussen den Sauerstoffverbrauch der Zellen,  sorgen für die Verstoffwechselung von Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen und stützen die Funktion des Herz-Kreislauf-Systems und des Magen-Darm-Trakts. Zudem ermöglichen sie Wachstums- und Differenzierungsvorgänge des Körpers und die geistige Entwicklung bei Ungeborenen und Kindern.

Bei einer krankhaften Vergrößerung der Schilddrüse spricht man von einer Struma (Kropf). Erfolgt diese Ausdehnung nach außen, wird am Hals eine Verdickung sichtbar. Vergrößert sich die Schilddrüse nach innen, kann es im fortgeschrittenen Stadium durch Einengung von Luft- und Speiseröhre zu Atem- oder Schluckbeschwerden kommen.

Zu den häufigsten Erkrankungen der Schilddrüse zählen die Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) und die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Bei der Schilddrüsenüberfunktion kommt es zu einer Überversorgung des Körpers mit Schilddrüsenhormonen, was zahlreiche Symptome auslösen kann. Die Basedow-Krankheit (Morbus Basedow) und die so genannte funktionelle Autonomie sind  häufige Ursachen einer Überfunktion.

Da die Schilddrüsenhormone Stoffwechselvorgänge des Körpers beeinflussen, fallen die Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion vielfältig aus. Die Beschwerden können sich sowohl langsam einschleichen als auch sehr abrupt einsetzen. Zu den Symptomen zählen unter anderem Gewichtabnahme trotz unverändertem oder sogar gesteigertem Appetit, Haarausfall, verstärktes Schwitzen, Wärmeintoleranz, warme, feuchte Haut, Durchfälle und Zyklusstörungen.

Das Schilddrüsenhormon wirkt auch stimulierend auf das Herz-Kreislauf-System, was sich unter anderem in einer Erhöhung der Herzfrequenz und Herzrhythmusstörungen bemerkbar machen kann. Das Zentralnervensystem äußert sich mit gesteigerter Nervosität, Rastlosigkeit, Zittern, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen.

Die aufgeführten Symptome können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Eine Schilddrüsenüberfunktion muss auch nicht zwangsläufig von allen oben genannten Symptomen begleitet werden.

Bei der Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) erhält der Körper zu wenige Schilddrüsenhormone. Man unterscheidet bei der Schilddrüsenunterfunktion zwischen einer primären und einer sekundären Hypothyreose. Bei der primären Hypothyreose ist die Funktion der Schilddrüse selbst betroffen, während sie bei der seltenen sekundären Hypothyreose die in ihrer Funktion eingeschränkt ist.

Die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion sind meist nicht klar erkennbar und unterscheiden sich bei Neugeborenen, Kindern und Erwachsenen. Warnzeichen bei Neugeborenen sind ein verspäteter Geburtstermin, ein hohes Geburtsgewicht, Trinkunlust, Verstopfung und ein langsamer Puls, Bewegungsunlust und schlaffe Muskulatur.

Warnzeichen bei Erwachsenen bei einer stärker ausgeprägten Schilddrüsenunterfunktion sind Müdigkeit, Antriebsarmut, gesteigertes Schlafbedürfnis sowie Gedächtnisstörungen, häufiges Frieren, Verstopfung und deutlicher Gewichtszunahme, trockene, kühle und blasse Haut, brüchige Haare und Nägel, Wassereinlagerungen (zum Beispiel an den Augenlidern) und Menstruationsstörungen.

Diagnose

Um eine genaue Diagnose stellen zu können, erstellt der Fachmann zunächst eine Anamnese. Nach der Befragung zu möglichen Symptomen und Krankheitsgeschichten tastet er die Schilddrüse ab, um sich einen ersten Eindruck von Größe und Ausdehnung des Organs zu machen. Eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) gibt weiter Aufschluss über die anatomischen Gegebenheiten.

Durch eine Blutuntersuchung wird der Wert der Schilddrüsenhormone bestimmt. Um eventuelle Fehlfunktionen der Schilddrüse bei Neugeborenen so früh wie möglich zu erkennen, muss bei ihnen bereits am 5. Lebenstag eine Blutuntersuchung gemacht werden.

Gegebenenfalls führt der Arzt eine Punktion des Organs durch, bei der winzige Gewebeteilchen der Schilddrüse entnommen und untersucht werden.  Eine weitere diagnostische Möglichkeit besteht in einer schmerzfreien und ungefährlichen nuklearmedizinischen Untersuchung (Szintigraphie). Dabei wird eine sehr geringe Menge radioaktiv markierter Stoffe in den Körper gebracht, die sich im zu untersuchenden Zielorgan anreichern und anschließend mit einer speziellen Kamera sichtbar gemacht werden können. Die Strahlenbelastung bei der Szintigraphie ist meist kleiner als zum Beispiel bei einer herkömmlichen Röntgenuntersuchung oder bei einem Langstreckenflug.

Behandlungsmethoden

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion ist eine medikamentöse Behandlung von begrenzter Dauer sinnvoll. Bei etwa der Hälfte der Patienten kann damit eine Heilung der Erkrankung erzielt werden. Führt die medikamentöse Behandlung nicht zum Erfolg, gibt es die Möglichkeiten einer Operation oder einer Radiojodtherapie.

Grundsätzlich ist bei einer Schilddrüsenüberfunktion bei jodhaltigen Medikamenten oder Röntgenkontrastmitteln Vorsicht geboten. Das gilt auch für Nahrungsergänzungsmittel, die Jod enthalten, und algenhaltige Speisen. Das Würzen mit jodhaltigem Speisesalz dagegen ist in der Regel möglich.

„Dank der Gesundheitsuntersuchung beim Hausarzt wird heutzutage ein großer Teil der Schilddrüsenerkrankungen rechtzeitig erkannt und behandelt. Patienten sollten allerdings auch selbst aktiv werden, wenn sich die Schilddrüse sicht- und fühlbar vergrößert oder sich die beschriebenen Symptome einstellen.“

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann mit Schilddrüsenhormon-Tabletten behandelt werden, die die fehlenden körpereigenen Hormone ersetzen. Man verwendet in der Regel synthetisch hergestelltes L-Thyroxin, auch Levothyroxin genannt. Generell ist bei einer medikamentösen Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion zu beachten, dass sich der Körper an geringe Hormonmengen gewöhnt hat, und deshalb zu Anfang nur eine niedrige Dosis verordnet werden sollte, die langsam gesteigert wird. Für den Patienten ist es wichtig zu wissen, dass die Behandlung mit  Hormonersatztabletten zeitlebens ohne Unterbrechung erfolgen muss. Normalerweise treten keine Nebenwirkungen bei einer Therapie mit Schilddrüsenhormonen auf.

Ein operativer Eingriff bei einer Schilddrüsenüberfunktion ist erst sinnvoll, wenn der Schilddrüsenhormonstoffwechsel zuvor medikamentös normalisiert wurde. Durch eine Operation kann die krankhafte und gegebenenfalls vergrößerte Schilddrüse ganz oder teilweise entfernt werden. Auch nach einer Operation ist oftmals eine medikamentöse Dauertherapie erforderlich, um eine Schilddrüsenunterfunktion und eine erneute Kropfbildung zu vermeiden.

 Portrait 

Dr. Thilo Traska, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie im Bethesda Krankenhaus

 Klinikverzeichnis 

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