Krankheitsbilder 

Prostatakrebs (Prostatakarzinom)

Autor: Dr. Thilo Traska, Viszeralchirurg

Prostatakrebs ist in Deutschland die häufigste diagnostizierte Krebserkrankung bei Männern. Dabei handelt es sich um einen bösartigen Tumor (Karzinom) der männlichen Vorsteherdrüse (Prostata). Nach Angaben des Robert Koch-Instituts erkranken jährlich etwa 58.570 Männer neu. In jedem Fall gilt: Je früher der Prostatakrebs erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Anatomisch hat die Prostata die Form und Größe einer Kastanie. Sie befindet sich direkt unterhalb der Harnblase und umgibt den oberen Teil der Harnröhre wie ein Ring. Die Hauptfunktion der Prostata ist es, ein Sekret zu bilden, das zusammen mit dem der Samenblase, der „Harnröhrenzwiebeldrüse“ (Bulbourethraldrüse) und den aus dem Hoden stammenden Samenzellen das Sperma bildet. Das Wachstum und die Funktion der Prostata werden vorwiegend von dem Geschlechtshormon Testosteron gesteuert.

Ursachen

Die genaue Ursache von Prostatakrebs ist nicht bekannt. Es gibt aber einige Faktoren, die die Entstehung des Prostatakarzinoms begünstigen. Eine wichtige Rolle spielt das Alter: Die Wahrscheinlichkeit, an Prostatakrebs zu erkranken, steigt ab dem 50. Lebensjahr an. Zudem können genetische Veranlagungen für die Entstehung von Prostatakrebs mitverantwortlich sein. Auch das männliche Geschlechtshormon Testosteron, das vor allem in den Hoden produziert wird, stimuliert die Krebszellen. Durch das Hormon allein kann sich aber kein Prostatakrebs entwickeln.

Die Ernährung kann ebenfalls das Krankheitsgeschehen beeinflussen: Studien lassen vermuten, dass eine kalorien- und fettreiche Ernährung (besonders tierische Fette) und eine ballaststoffarme Ernährung das Risiko für Prostatakrebs steigert. Viel Getreide, Gemüse und Sojaprodukte wirken dagegen offenbar schützend. Schließlich können auch berufliche Risikofaktoren, wie Schwermetall- und Strahlenbelastung, Auslöser für Prostatakrebs sein.

„Da der Prostatakrebs erst in späteren Stadien Beschwerden macht, wird ein Drittel der Tumore auch erst dann erkannt, wenn eine Heilung nur noch bedingt oder gar nicht mehr möglich ist. Daher ist eine Vorsorgeuntersuchung dringend anzuraten.“

In frühen Stadien ist Prostatakrebs nahezu immer ohne Symptome, größere Beschwerden treten oft erst bei einem fortgeschrittenen Karzinom auf. Im fortgeschrittenen Stadium ist die Vorsteherdrüse so weit gewachsen, dass sie die Harnröhre einengt und der Harnabfluss blockiert wird.

Die Folgen sind meistens ein verzögerter Beginn, mit schwachem Strahl, Nachtropfen oder die Unterbrechung des Harnstrahls während des Wasserlassens. Durch Restharn in der Blase kann es vermehrt zu Nykturie (überwiegend nachts auftretender Harndrang), Pollakisurie (häufiges Lassen geringer Urinmengen), Dysurie (erschwertes Wasserlassen) oder Algurie (Schmerzen beim Wasserlassen) kommen. Druckschädigung von Nerven des Kreuzbeinbereichs können zudem Erektionsstörungen verursachen.

Im fortgeschrittenen Stadium treten auch Schmerzen im Wirbelsäulen- und Beckenbereich auf. Durch große Metastasen kann es zu spontanen Knochenbrüchen ohne Trauma, so genannten pathologischen Frakturen, kommen. Lymphknotenmetastasen können zu Lymphödemen der Beine oder des Hodensacks führen. Häufige allgemeine Begleitsymptome sind Fieber, Nachtschweiß, Abgeschlagenheit, Leistungsschwäche und ungewollter Gewichtsverlust.

Diagnose

Zur Feststellung eines Prostatakarzinoms führt der Arzt einen PSA-Test in Kombination mit einer Tastuntersuchung durch. Die erste Untersuchung zum Nachweis eines Prostatakarzinoms ist die Palpation (rektale Tastuntersuchung) der Prostata, bei der Veränderungen der Prostata mit dem Finger durch den Enddarm ertastet werden können. Bei dieser Tastuntersuchung kann der Arzt sowohl eine vergrößerte Prostata, als auch knotige Verhärtungen im Frühstadium ertasten. So lassen sich einige Prostatakarzinome bereits erkennen. Oft sind aber die tastbaren Prostatakarzinome nicht mehr verkapselt, also schon durch die Kapsel der Prostata hindurch gewachsen. Nicht tastbar sind zudem Karzinome, die seitlich oder zur Bauchseite hin ausgerichtet sind.

Zusätzlich kann der PSA-Test eingesetzt werden: PSA ist ein Eiweißstoff, den die Prostata produziert. Bei dem Test wird die Konzentration des prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut gemessen. Dieser ist aber kein spezifischer Krebsmarker, denn der PSA-Wert kann bei jeder Prostataerkrankung erhöht sein, ob gut- oder bösartig. Der PSA-Test dient vor allem zur Verlaufskontrolle bei bestehenden Prostatakrebserkrankungen. Wer im Rahmen der Vorsorge den PSA-Test in Anspruch nehmen möchte, muss die Kosten dafür selbst tragen, denn der Test gehört nicht zur routinemäßigen Prostatakrebsvorsorge. Bei auffälligem Tastbefund bezahlen die Krankenkassen den PSA-Test jedoch.

Eine Biopsie (Gewebeentnahme) kann schließlich Gewissheit bringen, ob der betreffende Patient Prostatakrebs hat oder nicht. Bei dieser Untersuchung werden unter Ultraschallkontrolle über den Enddarm (transrektale Ultraschallsonografie - TRUS) mehrere Gewebeproben aus der Prostata mit einer dünnen Nadel entnommen. Unter dem Mikroskop untersucht der Arzt das Gewebe auf Krebszellen. Die Biopsie ist ein ungefährliches Untersuchungsverfahren: Die Gefahr der Streuung von Tumorzellen besteht dabei nicht. Das Gewebe kann ohne Narkose entnommen werden, eine örtliche Betäubung genügt. Der Arzt kann so feststellen, wie aggressiv ein Prostatakrebs ist und damit die Therapie besser planen.

Behandlungsmethoden

Die Behandlung des Prostatakrebses richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung und ist abhängig von dem Alter und sonstigen Erkrankungen des Patienten. Der Prostatakrebs kann sehr unterschiedlich schnell wachsen: Manchmal wächst das Karzinom über mehrere Jahre hinweg sehr langsam und muss eventuell überhaupt nicht behandelt werden. Bei anderen Patienten entsteht der Tumor sehr schnell. Leider ist es zum Zeitpunkt der Prostatakrebs-Diagnose nicht immer vorhersehbar, wie die Krankheit verläuft. Zumindest im frühen Stadium ist die Lebenserwartung kaum verkürzt.

Grundsätzlich gibt es fünf Möglichkeiten der Therapie:

  • eine Operation, bei der die Prostata und gegebenenfalls Lymphknoten entfernt werden
  • eine Brachytherapie, bei der radioaktive Stiftchen in die Prostata eingebracht werden eine Bestrahlung von außen
  • eine Bestrahlung von außen
  • eine Hormonbehandlung, bei der Hodengewebe operativ entfernt und anschließend Medikamente in Form von Monats-, Zweimonats- oder Dreimonats-Spritzen verabreicht werden
  • eine Chemotherapie

Nachsorge

Das Ziel der Nachsorge ist es, ein erneutes „Aufflackern“ des Tumors sehr früh zu erkennen und erneut zu behandeln. Folgende Untersuchungen werden daher in unterschiedlichen Abständen in den ersten fünf Jahren nach Beginn der Erkrankung immer wieder durchgeführt:

  • eine körperliche und rektale Untersuchung
  • eine PSA-Bestimmung
  • andere Blutwertbestimmungen (Blutbild, Nieren- und Leberwerte, u.a.)
  • eine Urin- und eine Ultraschalluntersuchung
  • Gegebenenfalls ein Knochenszintigramm und Röntgen der Nieren

Die erste Nachsorge findet drei Monate nach Beginn der Behandlung statt. Der weitere Nachsorgeverlauf wird individuell mit dem Patienten besprochen.

Prävention

„Eine gesunde Lebensweise kann das Risiko senken, an Prostatakrebs zu erkranken. Dazu gehören ein gesundes Körpergewicht, regelmäßige körperliche Aktivität und eine leichte, abwechslungsreiche Ernährung. Alkohol sollten Sie allenfalls in Maßen genießen.“

Ab dem 45. Lebensjahr sollten Männer jedes Jahr zur Krebsvorsorge gehen. Da der Prostatakrebs erst in späteren Stadien Beschwerden macht, wird ein Drittel der Tumore leider erst dann erkannt, wenn eine Heilung nur noch bedingt oder gar nicht mehr möglich ist. Da die Patienten im Frühstadium der Erkrankung, in der der Tumor in der Regel heilbar ist, meistens keine Beschwerden haben, empfehlen die Ärzte dringend, regelmäßig zu den Vorsorgeuntersuchungen zu gehen. Leider machen bisher nur wenige Männer der gefährdeten Altersgruppe ab 45 Jahre davon Gebrauch.

 Portrait 

Dr. Thilo Traska,
Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie im Bethesda Krankenhaus Wuppertal

 Klinikverzeichnis 

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