Krankheitsbilder 

Gelenkverschleiß (Arthrose)

Autor: Dr. Ulrich Leyer, Unfallchirurg

Die Arthrose ist eine chronische Erkrankung des Gelenkknorpels, die meistens in Folge von früheren Verletzungen, Krankheiten und Übergewicht entsteht. Gelenkverschleiß ist eine Volkskrankheit: Etwa 40 Millionen Menschen in Europa leiden an Arthrose.

Knie- und Hüftgelenke sind am häufigsten von Verschleiß betroffen. Dadurch müssen jährlich etwa 180.000 Hüft- und etwa 90.000 Kniegelenke durch künstliche Gelenke ersetzt werden. 2007 setzten Deutschlands Orthopäden knapp 200.000 Hüft- und rund 155.000 Knieprothesen ein.

Arthrose ist keine ausschließliche Alterserkrankung. Mit dem Alter wächst zwar das Risiko, eine Arthrose zu bekommen, aber auch jüngere Menschen leiden infolge falscher Haltung, Leistungssport oder falscher Ernährung an Gelenkschwund. Am häufigsten sind diese durch zu hohes Körpergewicht und entsprechend überlastete Knie- (Gonarthrose) und Hüftgelenke (Koxarthrose) betroffen.

Ursachen

Die Arthrose ist eine vorwiegend degenerative, nicht entzündliche und nichtinfektiöse chronische Gelenkerkrankung, die zum Abbau des knorpelnahen Knochens führen. Grundsätzlich kann eine Arthrose an jedem Gelenk entstehen. Abgeriebenes Knorpel- und Knochenmaterial verursacht zusätzlich noch eine Entzündung der umgebenden Gelenkhaut (Detritussynovitis). Im Gelenk führt dies zu Überwärmung und Rötung und bisweilen zu einem Gelenkerguss. Man nennt dies auch aktivierte Arthrose.

Auslöser einer Arthrose sind häufig zurückliegende Verletzungen (sekundäre Arthrose) wie Knochenbrüche oder Kapsel-Band-Verletzungen, Fehl- oder Überbelastungen, Verrenkungen oder Knochenbrüche. Übergewicht spielt auch eine wichtige Rolle. Weitere Ursachen für eine Arthrose können auch Gelenkentzündungen oder Stoffwechselstörungen wie Gicht, Diabetes mellitus, Pseudogicht (Chrondokalzinose) oder Bluterkrankheit (Hämophilie) sein.

„Die Schmerzursachen können sowohl innerhalb als auch außerhalb des Gelenks liegen. Sportverletzungen und Verschleiß, die sogenannte Arthrose, sind für Meniskus- und Knorpelschäden eine häufige Ursache. Aber auch Bandverletzungen, lose Gewebestücke, Entzündungen oder rheumatische Erkrankungen können Schmerzen auslösen.“

Es gibt zudem erblich bedingte Störungen wie: O-Beinstellung (Genu varum) und X- Beinstellung (Genu valgum) der Knie oder eine leichte Hüftgelenksfehlstellung. Diese Faktoren führen zu einer ungleichmäßigen Belastung und damit zu einer Arthrose der entsprechenden Gelenke. Eine sekundäre Arthrose wird durch Risikofaktoren wie Übergewicht, Ruhigstellung des Gelenks oder allgemein verminderte körperliche Aktivität begünstigt.

Die häufigsten betroffenen Gelenke sind Knie-, Schulter- und Hüftgelenk, aber auch die Wirbelsäule. Die Entstehungsursachen der primären Arthrosen sind ungeklärt. In der Hand sind häufig mehrere Gelenke betroffen. Speziell Frauen in den Wechseljahren erkranken häufiger als Männer an diesen auch als Systemarthrosen oder Polyarthrosen bezeichneten Arthroseformen.

Charakteristisch für eine Arthrose ist, dass meist nur ein oder wenige Gelenke betroffen sind. Die ersten Symptome zeigen sich als so genannte Anlaufschmerzen nach längerer Schonhaltung oder beim morgendlichen Aufstehen. Sie halten meist nur einige Minuten an und bessern sich nach ersten Bewegungsabläufen.

Bei fortschreitender Erkrankung kommt es allmählich zur Einschränkung der Gelenkbeweglichkeit und zur Druckschmerzhaftigkeit der betroffenen Gelenke. Schließlich folgt eine Gelenkdeformierung durch Veränderungen sämtlicher am Gelenk beteiligter Strukturen wie Knorpel, Knochen, Bänder und Sehnen. Die Bänder lockern sich, wodurch das Gelenk zunehmend instabil wird. Verrenkungen (”Auskugelung”) des Gelenks, Muskelschwund, Muskelverspannungen und -verkürzungen können die Folgen sein.

Die Arthrose muss jedoch keinesfalls immer in der aufgeführten Art und Weise voranschreiten. Es gibt auch atypische Verläufe mit Stillstand oder gar Rückgang der Befunde.

Diagnose

Eine erste Diagnose kann der Fachmann meistens schon anhand der Krankengeschichte und äußerlicher Eigenschaften der Gelenke stellen. Dazu beurteilt er den Bewegungsumfang und -schmerz, die Bandstabilität, Schwellungen, Hautveränderungen und druckschmerzhafte Punkte. Bei Schäden der Knie- und Hüftgelenke sind häufig Auffälligkeiten im Gangbild zu erkennen.

Das Röntgen ist die wichtigste Untersuchungsmethode, um eine Gelenkerkrankung zu diagnostizieren. Typische Veränderungen, die sich auf einem Röntgenbild erkennen lassen, sind ein verschmälerter Gelenkspalt, strukturelle Veränderungen in Form von knöchernen Ausläufern am Rand des Knochens (Osteophyten) oder die Verdichtung des Knochens unterhalb des Knorpels (subchrondrale Sklerosierung). Neben der Röntgenuntersuchung können in Einzelfällen Ultraschalluntersuchungen (Sonographie), Magnetresonanztomographie (MRT), Computertomographie (CT), Szintigraphie oder eine Punktion mit Untersuchung der Gelenkflüssigkeit (Synoviaanalyse) gemacht werden. Um Gelenkerkrankungen wie Gicht oder bakterielle Infektion ausschließen zu können, werden häufig auch noch Blut und Urin untersucht.

Behandlungsmethoden

Die medikamentöse Behandlung steht bei der Arthrosebehandlung eher im Hintergrund. Um Schmerzen zu bekämpfen, können Patienten über kürzere Zeiträume auf Aspirin oder verwandte Substanzen zurückgreifen. Bei unangenehmen Muskelverspannungen können eventuell Medikamente zur Entspannung, so genannte Muskelrelaxantien, hilfreich sein. Kommt es zu einer sekundären Entzündung des Gelenks, sollte der Fachmann über Kortison-Injektionen direkt in das Gelenk in Erwägung ziehen. Festgestellte Fehlbelastungsfaktoren wie Übergewicht, Beinlängendifferenz oder Fußfehlformen sollten zudem durch zusätzliche orthopädische Hilfsmittel oder Schuhzurichtungen ausgeglichen werden.

Primär bei der Behandlung einer Arthrose ist der physiotherapeutische Ansatz, um eine Entlastung der beanspruchten Gelenke durch Bewegungstraining, Haltungstraining, allgemeiner Kräftigung und Dehnungsübungen zu erreichen. Vor allem ist eine Gewichtsabnahme zu empfehlen. Durch diese Maßnahmen kann ein Fortschreiten des Prozesses im Knorpel aufgehalten und das Gelenk durch Kräftigung der Muskeln und Sehnen stabilisiert werden.

Für die Patienten ist es sehr wichtig, dass sie regelmäßig die Bewegungstrainings absolvieren. Eine kontinuierlich, täglich durchgeführte Gymnastik verspricht die größten Erfolge. Betroffenen Gelenke zu schonen, ist dagegen die vollkommen falsche Strategie, denn dadurch wird die Versorgung des Gelenkknorpels mit Nährstoffen nochmals verschlechtert. Durch die Übungen werden Schmerz gemindert, die Lebensqualität, die Beweglichkeit und die Gehleistung verbessert und schließlich das Fortschreiten der Krankheit verzögert.

Eine Reihe von Maßnahmen, wie die Behandlung eines Meniskus- oder Knorpelschadens, führen wir mittels Gelenkspiegelung unter Narkose durch. Dazu sind nur sehr kleine Schnitte nötig. Die Operation „am offenen Knie“ erfolgt dagegen beispielsweise bei Knorpeltransplantationen oder bei Implantationen künstlicher Gelenke. Neben dem teilweisen Gelenkersatz können wir auch eine vollständige Kniegelenksprothese einsetzen. Das ist mittlerweile eine Standard-OP. Die medizinische Forschung der letzten Jahrzehnte hat auf diesem Gebiet ernorme Fortschritte erzielt: Spezielle Materialien sorgen für eine hohe Gewebeverträglichkeit und ermöglichen eine schmerzfreie und dauerhafte Funktion des Gelenks. Vor jedem Eingriff stimmen wir alles exakt auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten ab: Alter, Geschlecht, Knochenqualität, Körpergewicht, Lebensgewohnheiten. Und vor allem stellen wir die natürliche Beinachse wieder her.

Nachsorge

Die Patienten sollten täglich die mit dem Arzt und Physiotherapeuten abgesprochen Übungen durchführen und darauf achten, nicht zuzunehmen.

Prävention

Regelmäßige Gymnastik und Bewegung schützt vor Gelenkverschleiß, vor allem Sportarten, die alle Gelenke gleichmäßig belasten, zum Beispiel Schwimmen und Radfahren. Einseitige Körperhaltungen und Bewegungen sollten dagegen vermieden und Übergewicht abgebaut werden. Passendes orthopädisches Schuhwerk sollte getragen werden, um die Beingelenke zu schonen.

 Portrait 

Dr. Ulrich Leyer,
Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädische Chirurgie und Handchirurgie im Bethesda Krankenhaus Wuppertal

 Klinikverzeichnis 

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