Krankheitsbilder 

Endometriose

Autor: Prof. Dr. Jürgen Hucke

Die Endometriose ist eine schmerzhafte, chronische, aber gutartige Erkrankung, die nur Frauen betrifft. Bei dieser Erkrankung entwickelt sich die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb des vorgesehenen Ortes. Die Endometriose ist schwer zu diagnostizieren und zu behandeln und ist eine der häufigsten Ursachen für Unfruchtbarkeit.

Die Krankheit kann ab Eintritt der Regelblutung bis zu den Wechseljahren, aber auch danach, auftreten. Zwischen dem Auftreten der ersten Symptome und der Diagnose vergehen im Durchschnitt sechs Jahre.

Bei der Endometriose tritt das Gewebe im Unterleib auf und siedelt sich dort an den Eierstöcken, Eileitern, Darm, Blase oder am Bauchfell an. In seltenen Fällen sind auch andere Organe betroffen, zum Beispiel die Lunge und das Gehirn. Die Endometriose-Schleimhaut wächst auch an der äußeren Gebärmutterwand, an den Bindegeweben der Gebärmutter oder an den Eierstöcken. Seltener lassen sich Endometrioseherde an anderen Organen im Bauchraum nachweisen.

In vielen Fällen werden diese Endometrioseherde von den Hormonen des Monatszyklus` beeinflusst. Das führt dazu, dass die Herde zyklisch wachsen, und es auch zu Blutungen kommen kann. Entzündungen, Zysten, Vernarbungen und Verwachsungen sind häufig die Folge.

Ursachen

Die Ursachen der Endometriose sind bis heute ungeklärt, obgleich die Krankheit schon 1861 von dem Arzt Rokitansky beschrieben wurde. Es gibt verschiedene Theorien zur Entstehung der Endometriose: Die Erkrankung könnte durch den Rückfluss des Menstruationsblutes durch die Eileiter in den Bauchraum (retrograde Menstruation) verursacht werden. Als weitere Ursachen vermuten Forscher erbliche Veranlagung, Fehlfunktionen des Immunsystems, die lokale Verschleppung der Schleimhaut bei Operationen an der Gebärmutter und die Ausbreitung der Endometriumzellen über Blut- und Lymphbahnen. Auch Umwelteinflüsse können eine Rolle spielen. Die Medizin geht aber mittlerweile davon aus, dass bei der Entstehung von Endometriose verschiedene Ursachen zusammen kommen, es sich also um ein so genanntes multifaktorielles Geschehen handelt.

Die Endometriose ist eine sehr komplexe Erkrankung. Die Symptome und die daraus entstehenden Folgen sind vielfältig und können einzeln oder kombiniert auftreten. Dabei stehen die Beschwerden nicht immer in direktem Verhältnis zum Grad der Ausbreitung. Schon kleinere Endometrioseherde können bei den Betroffenen heftige Beschwerden verursachen, während Frauen mit ausgedehnten Herden unter Umständen nichts von ihrer Krankheit bemerken.

Oft beschriebene Beschwerden und Symptome sind Bauch- und Rückenschmerzen vor und während der Menstruation, starke und unregelmäßige Monatsblutungen, Schmerzen während und nach dem Geschlechtsverkehr, Schmerzen bei gynäkologischen Untersuchungen, Schmerzen während des Eisprungs, plötzliche Ohnmachtsanfälle im Zusammenhang mit Menstruationsschmerzen, Blasen- und Darmkrämpfe, Schmerzen bei Blasen- und Darmentleerung sowie bei Darmbewegungen, zyklische Blutungen aus Blase oder Darm sowie ungewollte Kinderlosigkeit.

Mit den Symptomen können Müdigkeit und Erschöpfung, Allergien und andere Autoimmunerkrankungen sowie eine höhere Infektanfälligkeit während der Menstruation einhergehen. Es bilden sich zudem öfter Zysten, Verwachsungen und Narben. Betroffene Frauen klagen zudem oft über unklare Unterbauchschmerzen, die mehrmals ohne Besserung als Entzündung behandelt wurden.

Generell stellt die Endometriose eine chronische Erkrankung dar, die schwer zu diagnostizieren und zu behandeln ist. Ohne eine Behandlung wird die Endometriose bei 65% bis 80% der Patientinnen schlimmer.

Diagnose

Nach eingehender Befragung über die Schmerzsymptomatik und den Allgemeinzustand (Anamnese) sollte der Fachmann eine Tast- und Ultraschalluntersuchung vornehmen. Die Tastuntersuchung sollte auch den Enddarm, den Bereich hinter der Gebärmutter (Douglas'scher Raum) und die Gebärmutterbänder umfassen. Je nach Symptomen und Fragestellung kann auch eine Untersuchung mit anderen Verfahren sinnvoll sein, zum Beispiel eine Darmspiegelung oder bildgebende Verfahren wie die Kernspin- oder Computertomographie.

„Endometriose hat sehr unterschiedliche Krankheitsverläufe und ruft unterschiedliche Beschwerden hervor. Betroffene Frauen sollten Klinken und Fachleute aussuchen, die speziell auf Endometriose ausgerichtete Therapiemaßnahmen anbieten.“

Um eine sichere Diagnose stellen zu können, ist ein operativer Eingriff notwendig. Hierzu führt der Fachmann eine Bauchspiegelung (Laparaskopie) durch, bei der ein kleiner Schnitt in der Region des Bauchnabels gesetzt und eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen wird. Bei diesem Eingriff können Schweregrad, Wachstumstyp der Endometrioseherde und Zysten festgestellt werden. Sollte sich eine Endometriose bestätigen, kann bei der Operation bereits mit der chirurgischen Therapie begonnen werden.

Behandlungsmethoden

Vor dem Beginn einer Therapie sollte immer in einem ausführlichen Gespräch mit dem Arzt das Ziel geklärt werden. Was soll erreicht werden, und welche Ziele sind für die Patientin vorrangig? Für viele Frauen steht die Erreichung von Schmerzfreiheit oder die Erfüllung des Kinderwunsches im Vordergrund. Daraus muss sich ein auf den individuellen Fall zugeschnittenes und differenziertes Behandlungskonzept ergeben.

Bei der meist langjährigen Behandlung muss bedacht werden, dass Körper und Psyche der ganzen Persönlichkeit betroffen sind. Die Patientinnen sind häufig einem enormen Leidensdruck ausgesetzt, so dass die Behandlung durch den Frauenarzt in vielen Fällen nicht ausreicht. Es sollte daher ein Team von Schmerztherapeuten, Psychosomatikern und Gynäkologen eng zusammenarbeiten, um mit der Patientin den für sie besten Weg im Umgang mit der Erkrankung zu finden.

Die Auswahl der Operation erfolgt in Abhängigkeit des Alters, der Vorgeschichte, der anatomischen Situation und des Wunsches der Patientin. Die Entscheidung für eine operative Laparotomie oder einen endoskopischer Eingriff wird durch den Befund und die Erfahrung des Operateurs bestimmt. Die Hauptindikation für eine Operation ist der starke Schmerz, die Sterilität sowie eine progressive Veränderung der Organanatomie.

Die diagnostische Laparoskopie (Bauchspiegelung) ist der erste Schritt einer chirurgischen Therapie. Bei der Operation können die Herde durch Koagulation (Verdampfung) mit Hochfrequenzstrom, Hitze oder Laser beseitigt werden. Ziel sollte stets sein, das gesunde Gewebe der befallenen Organe weitgehend zu schonen. Die Entfernung ganzer Organe – etwa Eierstock/Gebärmutter – ist in vielen Fällen nicht notwendig. Großflächige Endometrioseherde, massive Verwachsungen oder deren Auftreten an ungünstigen Stellen können chirurgisch auch einen Bauchschnitt (Laparatomie) erforderlich machen.

Mit Medikamenten wie Buscopan, Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen oder anderen COX-Hemmern können die durch Endometriose verursachten Schmerzen behandelt werden. Diese Medikamente haben aber keinen Einfluss auf den Verlauf der eigentlichen Erkrankung. Daher spricht man von einer "Symptomatischen Therapie".

„Die Auswahl der Operation erfolgt in Abhängigkeit des Alters, der Vorgeschichte, der anatomischen Situation und des Wunsches der Patientin. Die Hauptindikation für eine Operation ist der starke Schmerz, die Sterilität sowie eine progressive Veränderung der Organanatomie.“

Des Weiteren kann eine Hormontherapie notwendig sein, da ein Teil des Endometriosegewebes durch Östrogene, also durch bestimmte weibliche Geschlechtshormone, aktiviert wurde. Die verschiedenen Hormonbehandlungen zielen auf die Unterdrückung der Östrogenausschüttung ab. Die Gabe von Gestagenen (Gelbkörperhormone, die in der zweiten Zyklushälfte vom Eierstock gebildet werden) oder eine vollständige Unterdrückung der Bildung weiblicher Geschlechtshormone – also das Herbeiführen von zeitlich begrenzten künstlichen Wechseljahren – durch die Behandlung mit GnRH-Analoga ist möglich.

Bei vielen Frauen können eine Zeit lang die Schmerzen oder die Neubildung von Endometrioseherden verhindert oder verringert werden. Die Nebenwirkungen dieser Behandlung sind individuell sehr unterschiedlich und teilweise beträchtlich. Eine milde Therapie gegen das erneute Auftreten beziehungsweise Weiterwachsen der Endometriose bietet die "Pille", wobei auch hier bevorzugt gestagenbetonte Präparate eingesetzt werden.

Eine Endometriose lässt sich nicht vollständig heilen. Vor allem die schweren Formen der Erkrankung haben die Tendenz, immer wieder aufzutreten (Rezidive). Daher ist eine gute Betreuung durch erfahrene Ärzte eine wichtig Unterstützung beim Umgang mit der Erkrankung. Mit Beginn der Wechseljahre kommt die Endometriose meist von selbst zur Ruhe. Im Rahmen einer Fruchtbarkeitstherapie lassen sich mit den beschriebenen Therapieansätzen dennoch häufig Erfolge erzielen.

 Portrait 

Prof. Dr. Jürgen Hucke,
Endometriose-Spezialist und Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Bethesda Krankenhaus Wuppertal

 Klinikverzeichnis 

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