Krankheitsbilder 

Depression: Depressive Erkrankungen und ihre Behandlungsmöglichkeiten

Autor: Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Rolf Meermann

Die Gruppe der depressiven Erkrankungen sind die mit Abstand häufigsten psychischen Erkrankungen in den westlichen Industrieländern. Statistisch gesehen erkranken zwischen 14 und 25% der Bevölkerung zu irgendeinem Zeitpunkt in ihrem Leben an einer Depression. Auch viele bekannte Persönlichkeiten litten während ihres Lebens an Depressionen, wie z.B. Ernest Hemingway, Marilyn Monroe, Franz Kafka oder Vincent van Gogh.

Dabei verbirgt sich hinter dem Begriff „Depression“ keine einzelne Erkrankung, sondern eine Gruppe unterschiedlicher Erkrankungen und Erscheinungsformen. Auch hinter modernen Krankheitsbegriffen, wie z.B. Burnout, verbergen sich häufig depressive Erkrankungen.

Insgesamt unterscheidet man folgende Gruppen von depressiven Erkrankungen:

Depressive Anpassungsstörungen

Diese treten im Rahmen von schwierigen oder einschneidenden Lebensver-änderungen auf, z.B. nach einem Verlust des Arbeitsplatzes, nach Trennungen, beruflichen oder privaten Problemen. Dabei können sich belastende Lebensereignisse sowohl durch einen einzelnen sehr gravierenden Auslöser darstellen (z.B. im Rahmen eines Arbeitsplatzverlustes), es besteht aber auch die Möglichkeit, das depressive Anpassungsstörungen durch langandauernde häufige kleinere unangenehme Lebensereignisse hervorgerufen werden.

Depressive Episoden

Depressive Episoden sind in ihrem Schweregrad ausgeprägter als die Anpassungsstörungen und können in leichter, mittelgradiger und schwerer Form auftreten. Sie sind jeweils durch das Vorhandensein einer bestimmten Anzahl depressionstypischer Symptome gekennzeichnet und dauern häufig mehrere Wochen bis Monate. Treten solche depressiven Episoden nach zwischenzeitlicher Ausheilung wiederholt auf, spricht man von einer sogenannten rezidivierenden depressiven Störung.

Bipolare affektive Störungen

Diese Störung, die früher auch manisch-depressive Erkrankung genannt wurde, ist gekennzeichnet durch regelmäßige depressive Episoden, die sich abwechseln mit Phasen unangemessen gehobener Stimmung (Manie). Diese treten verhältnismäßig selten auf.

Dysthymia

Unter Dysthymia versteht man eine chronische depressive Verstimmung. Im Gegensatz zur rezidivierenden depressiven Störung, die ja in Phasen auftritt, ist die Dysthymia durch ein dauerhaftes Vorhandensein von Symptomen gekennzeichnet, der Schweregrad ist allerdings nicht so ausgeprägt wie bei den depressiven Episoden.

Symptome depressiver Erkrankungen


Die nachfolgend aufgeführten Symptome depressiver Erkrankungen finden sich grundsätzlich bei allen Unterformen der Depression. Es gibt allerdings deutliche Unterschiede, was Ausprägung und Häufigkeit angeht, so daß vor der Behandlung einer depressiven Erkrankung immer eine ausführliche und fundierte fachärztliche oder psychologisch-psychotherapeutische Diagnostik notwendig ist.

Auf der Gefühlsebene finden sich typische Symptome wie Traurigkeit, Hilflosigkeit, Verzweiflung, Resignation, Zukunfts-/Existenzängste, häufig aber auch Schuldgefühle.

Auf der körperlichen Ebene finden sich Beschwerden wie Antriebslosigkeit, Erschöpfung, Ermüdbarkeit, innere Unruhe, Störungen in Hunger und Appetit, Schmerzen, ein häufig berichtetes Symptom stellen Schlafstörungen dar.

Depressionen finden ihren Niederschlag auch auf der gedanklichen Ebene, die sich z.B. in negativen Erwartungen und Bewertungen (sich selbst als Versager sehen) äußern, in ständigem Grübeln, Selbstzweifeln und Selbstvorwürfen, aber auch in Gedanken daran, nicht mehr Leben zu wollen.

Depressionen fallen aber manchmal auch anderen Menschen auf, z.B. Ehepartnern oder Kollegen, die typische Veränderungen auf der Verhaltensebene beobachten, wie z.B. Rückzug von Familie, Freunden und Bekannten, Vernachlässigung von Freizeitaktivitäten und Hobbys, Schwierig¬keiten, Entscheidungen zu treffen, aggressives und gereiztes Verhalten, in schweren Fällen Vernachlässigung der Körperpflege, manchmal auch sogenannte Frustkäufe.

Ursachen und Erklärungsmodelle von Depressionen

Alle Formen von Depressionen, auch die o.g. Anpassungsstörungen, entstehen niemals nur als Folge eines einzigen Auslösers. In der Regel sind vielfältige Faktoren beteiligt, die im Rahmen der individuellen Diagnostik jedoch für jeden einzelnen Patienten sorgfältig herausgearbeitet werden müssen. Mögliche Faktoren sind:

  • Eine genetische Veranlagung
  • Veränderungen im sogenannten Neurotransmitterhaushalt des Gehirns, dass bedeutet, daß die Neurotransmitter, also die Botenstoffe, welche die Hirnaktivität und damit unser Denken und Fühlen steuern, bei depressiven Patienten in typischer Weise gestört sind
  • Kritische Lebensereignisse und Streßbedingungen, wie z.B. Verlust von nahestehenden Menschen, Arbeitsplatzverlust, Übertritt in die Rente, Dauerstress, Konflikte am Arbeitsplatz, finanzielle oder berufliche Mißerfolge können das Auftreten von Depressionen bei entsprechender Veranlagung fördern.
  • Verhaltensdefizite, diese vor allen Dingen im Bereich sozialer Fertigkeiten, können ebenfalls als Risikofaktor für das Auftreten von Depressionen gelten. Dies können z.B. Schwierigkeiten in bezug auf die Abgrenzung gegenüber Familienangehörigen oder Kollegen gelten („Immer werde ich zum Kaffee kochen geschickt“).
  • Depressionsfördernde Gedanken und Einstellungen: Depressive Patienten neigen in typischer Weise dazu, sich selber abzuwerten, die eigene Zukunft und die eigene Lebenssituation als schlecht und traurig zu bewerten und sich selber wenig Fähigkeiten zuzuschreiben, in Zukunft noch Erfolge zu erreichen.

Nicht jede der genannten möglichen Ursachen ist bei jedem depressiven Patienten in der Krankheitsgeschichte zu finden. Deshalb ist es wichtig, sich an einen kompetenten Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie oder an einen Psychologischen Psychotherapeuten zu wenden, der eine ausführliche Verhaltenanalyse und Problemanalyse betreibt, um die ganz individuellen Ursachen und Auswirkungen der Depression zu erheben, um anschließend ein individuelles Behandlungskonzept zu erstellen.

Behandlungsmöglichkeiten von Depressionen

Zur Behandlung von Depressionen gibt es langjährig wissenschaftlich erprobte Therapiemethoden, die einerseits Psychotherapie beinhalten, aber andererseits auch Möglichkeiten einer medikamentösen Therapie.

Verhaltenstherapie

Die verhaltenstherapeutische Behandlung der Depression umfaßt viele einzelne Behandlungsbausteine, die sowohl im ambulanten als auch im stationären Setting zur Anwendung kommen können, wie z.B. Aktivitätsaufbau (Wieder¬entdecken von Hobbys, sozialen Kontakten), Training sozialer Fertigkeiten, Verbesserung von Problemlösekompetenz, Erlernen verschiedener Entspannungsverfahren, Auseinandersetzung mit eigenen Denk- und Bewertungsstrategien, Entwickeln eines selbstwertstabilisierenden Selbstbildes.

Medikamentöse Behandlung

In vielen Fällen reicht eine ambulante oder stationäre Verhaltenstherapie aus, um eine depressive Erkrankung erfolgreich zu behandeln. Gerade bei ausgeprägten oder langanhaltenden Depressionen ist es jedoch häufig auch notwendig, die Behandlung mit einem Medikament, meist einem sogenannten Antidepressivum, zu überprüfen. Z.B. kann eine solche antidepressive Medikation eine wichtige Hilfestellung sein, überhaupt erst einmal Psychotherapiefähigkeit herzustellen.

Antidepressiva können die Stimmung aufhellen oder den Antrieb steigern, sie können für mehr innere Ruhe sorgen, oder auch, was für viele Depressive mit häufig ausgeprägten Schlafstörungen eine echte Wohltat darstellt, den Schlaf sehr günstig beeinflussen. Antidepressiva machen nicht abhängig.

Eine langfristige positive Wirkung kann allerdings nur erreicht werden, wenn das Antidepressivum über einen längeren Zeitraum und täglich eingenommen wird (es stellt also keine Bedarfsmedikation dar, etwa wie ein Schmerzmittel). Antidepressiva sind in der Regel gut verträglich, Unerwünschte Wirkungen treten selten und meistens nur in den ersten 2-3 Wochen der Einnahme auf. Die gewünschte antidepressive Wirkung setzt meist nach 14 Tagen ein, ein erfolgversprechender Behandlungsversuch sollte also immer wenigstens 3-4 Wochen umfassen.

 Portrait 

Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Rolf Meermann

Nervenarzt und Psychotherapeut, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der AHG Psychosomatischen Klinik Bad Pyrmont und Präsident des Wissenschaftsrates der Allgemeinen Hospitalgesellschaft

 Klinikverzeichnis 

Klinikverzeichnis mit der Diagnose Depression

Finden Sie die passende Klinik für die Diagnose Depression bei Kliniken.de.

 Google-Werbung