Krankheitsbilder 

Dickdarmkrebs (Kolonkarzinom)

Autor: Dr. Wolfgang Pfeiffer

Beim Kolonkarzinom handelt es sich um eine bösartige Wucherung von Zellen der Dickdarmschleimhaut im Bereich des Kolons (Grimmdarm). Insbesondere für Menschen über 50 Jahre sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sehr wichtig, damit der Krebs frühzeitig entdeckt wird.

Die Hauptaufgabe des Dickdarms ist es, den im Dünndarm bereits verwerteten Nährstoffbrei zum After zu transportieren, ihm dabei Wasser zu entziehen und ihn schließlich im Enddarm bis zur Stuhlentleerung aufzubewahren. Der Dickdarm wird in mehrere Abschnitte unterteilt: Den so genannten Caecum (Blinddarm) mit dem Wurmfortsatz und den Colon (Grimmdarm), an den sich das Rectum (Mastdarm) anschließt. Tumore werden nur als Kolonkarzinom bezeichnet, die zwischen dem Blinddarm und dem Beginn des Mastdarms liegen. Ein Rektumkarzinom (Krebs des Mastdarms) unterscheidet sich in Diagnostik und Therapie von der des Kolonkarzinoms.

Mindestens einer von 20 Deutschen erkrankt in seinem Leben an Dickdarmkrebs. Es gibt eine Reihe von verschiedenen Faktoren, die einen Einfluss auf das Risiko haben, an einem Kolonkarzinom zu erkranken. Häufig entwickelt sich das Kolonkarzinom aus gutartigen Wucherungen der Darmschleimhaut, den so genannten Polypen. Damit aus einem gutartigen Polypen ein bösartiger Tumor entsteht, müssen jedoch noch weitere Faktoren hinzukommen, zum Beispiel Veränderungen am Erbgut der Zellen. Diese Veränderungen werden durch die Lebensweise und/oder genetisch begünstigt. Neuerdings werden bestimmte Bakterien im Darm verdächtigt, mit an der Entstehung von Dickdarmkrebs beteiligt zu sein.

„Mit steigendem Alter nimmt auch die Wahrscheinlichkeit, an Darmkrebs zu erkranken, zu. Meistens sind die Betroffenen bei Entdeckung des Tumors 50 Jahre und älter, gelegentlich wird aber auch schon bei unter 40jährigen ein Kolonkarzinom diagnostiziert.“

Diagnose

Die Diagnose eines Kolonkarzinoms lässt sich am besten mittels einer Darmspiegelung feststellen, da der Arzt nur die letzten Zentimeter des Enddarms mit dem Finger austasten kann. Mit einer Darmspiegelung (Koloskopie) lassen sich bei guten Bedingungen hingegen der gesamte Dickdarm und eventuell sogar das letzte Stück des Dünndarms auf verdächtige Veränderungen untersuchen. Ist dies nicht möglich oder bestätigt sich die Vermutung, dass ein Kolonkarzinom vorliegt, kommen weitere bildgebende Methoden in Frage.

Besteht tatsächlich schon ein Krebsleiden, ist es wichtig zu ermitteln, bis wohin sich der Tumor ausgedehnt hat und ob sich Tochtergeschwülste (Metastasen) gebildet haben. Je nachdem wird der Tumor dann einem bestimmten Stadium zugeordnet.

Im Rahmen der Krebsvorsorgeuntersuchung werden die Patienten zunächst rektal untersucht. Dabei tastet der Arzt den Enddarm ab, um so Vorwölbungen im Inneren des Darms oder Unregelmäßigkeiten der Darmwand zu erfühlen. Tastbar sind bei dieser Untersuchung aber nur Mastdarmtumoren – und auch diese nicht immer.

Am sichersten kann das Kolonkarzinom mit einer Darmspiegelung (Koloskopie) diagnostiziert werden. Dafür wird ein flexibles, schlauchähnliches Untersuchungsgerät, das Endoskop, eingeführt. Damit hat der Arzt die Möglichkeit, sich den Dickdarm bis zum Übergang in den Dünndarm oder sogar noch ein kleines Stück in den Dünndarm hinein, anzusehen.

„Bei der Koloskopie werden an auffälligen Stellen Gewebeproben entnommen (Biopsie). Zugleich werden gutartige Schleimhautwucherungen (Polypen) nach Möglichkeit mit einer Schlinge abgetragen. Die entnommenen Proben und auch die Polypen werden anschließend vom Pathologen unter dem Mikroskop auf Krebszellen untersucht.“

Falls das Darminnere an einer Stelle so eingeengt ist, dass das Endoskop die Engstelle in Folge nicht passieren kann, wird zusätzlich eine Computer- oder eine Magnetresonanztomographie durchgeführt. Allerdings können bei diesen beiden computerunterstützten bildgebenden Methoden keine Proben entnommen und auch keine Polypen abgetragen werden.

Wenn geklärt ist, wie weit der Krebs sich ausgebreitet hat, wird der Tumor nach einem Schema der Internationalen Vereinigung gegen Krebs (UICC) einem von fünf Stadien zugeordnet:

Stadium 0:

Oberflächliches Krebsgeschwür, nur eine Vorstufe zum Krebs

Stadium I:

Der Krebs beschränkt sich in seiner Ausbreitung auf die oberflächlichen Darmwandschichten

Stadium II:

Tiefe liegende Darmwandschichten sind befallen

Stadium III:

Benachbarte Lymphknoten sind betroffen oder der Krebs ist bereits in das den Darm umgebende Gewebe eingewachsen.

Stadium IV:

Es sind Tochtergeschwülste in anderen Organen (Fernmetastasen) vorhanden.

Behandlungsmethoden

Der behandelnde Arzt beurteilt, wie stark sich die Krebszellen von den ursprünglichen Zellen der Darmschleimhaut unterscheiden und wie weit sich der Tumor schon auf direktem Weg in das angrenzende Gewebe oder über Blut- und Lymphwege in weiter entfernte Organe ausgebreitet hat. Die Behandlung richtet sich weitgehend danach, in welchem Stadium sich das Kolonkarzinom befindet, und an welcher Stelle sich das Krebsgeschwür im Darm genau befindet.

Bei einer Operation wird der Arzt zunächst versuchen, den Krebs operativ komplett zu entfernen. Wenn das gelingt, und keine Tochtergeschwülste bekannt sind, handelt es sich um eine so genannte kurative, also heilende Behandlung: Dabei wird das vom Krebs befallene Darmstück mit einem ausreichenden Sicherheitsabstand zu beiden angrenzenden Seiten abgetrennt und der Darm anschließend wieder zusammen gefügt. Begleitend werden auch die benachbarten Lymphknoten entfernt. Komplikationen, die bei diesen Operationen auftreten können, sind undichte Anschlussstellen (Anastomoseninsuffizienz) des Darms oder „neue Tumore“ (Lokalrezidive), die teilweise in dem Bereich entstehen, wo der Darm entfernt wurde.

Falls auch Lymphknoten betroffen sind oder der Tumor sich auch auf benachbarte Organe ausgeweitet hat, kann zusätzlich eine Chemotherapie sinnvoll sein. Hat das Krebsgeschwür schon Tochtergeschwülste in anderen Organen gebildet, oder hat es sich bereits so weit in das umliegende Gewebe ausgebreitet, dass eine komplette Entfernung nicht mehr möglich ist, ist es das Ziel der Behandlung, den Krebs soweit wie möglich zurückzudrängen.

Nachsorge

Um eine eventuelle Wiederkehr des Tumors (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen, müssen die empfohlenen Nachsorgetermine unbedingt wahrgenommen werden, bei denen der so genannte Tumormarker bestimmt wird.

Schon um den Verlauf nach einer Operation besser beurteilen zu können, wird vor der Operation in einer Blutuntersuchung der so genannte Tumormarker CEA (Carcino-Embryonales Antigen) bestimmt. Bei einem Teil der Patienten sind diese Werte vor der Operation erhöht, und normalisieren sich nach der kompletten Entfernung des Tumorgewebes wieder. Kommt es erneut zu einem Krebswachstum, steigt dieser Wert meistens wieder an.

Prävention

Vorsorgeuntersuchungen wie der Test auf Blut im Stuhl bzw. die noch etwas empfindlicheren Stuhltests oder eine Darmspiegelung sind wichtig, um Darmkrebs frühzeitig erkennen zu können. Der Zeitpunkt einer ersten Vorsorgekoloskopie richtet sich nach dem persönlichen Risiko, das unter anderem abhängig von Begleiterkrankungen ist. Zum Beispiel haben Patientinnen mit Brustkrebs auch ein erhöhtes Risiko Darmkrebs zu bekommen. Wichtig ist auch zu klären, ob bei direkten Verwandten Dickdarmpolypen oder Dickdarmkrebs aufgetreten ist. Eine weitere wichtige Säule der Darmkrebsvorbeugung ist die Ernährung: Empfohlen wird eine fettarme und ballaststoffreiche Ernährung. Auch regelmäßiger Sport hilft, Darmkrebs zu vermeiden.

 Portrait 

Dr. Wolfgang Pfeiffer,
Gastroenterologe und Oberarzt der Medizinischen Klinik im Bethesda Krankenhaus Wuppertal

 Klinikverzeichnis 

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