Krankheitsbilder 

Brustkrebs (Mammakarzinom)

Autor: Dr. Pamela Schittler, Gynäkologin

Beim Brustkrebs handelt es sich, um einen bösartigen (malignen) Tumor der Brust, der vor allem Frauen, aber auch einige Männer betrifft. Wir sprechen auch von einem „Mamma-Ca.“

Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) erkranken in Deutschland derzeit mehr 57.000 Frauen pro Jahr an Brustkrebs. Die Problematik bei Brustkrebs ist, dass der Tumor nicht an Ort und Stelle bleibt, sondern sich invasiv verhält. Das heißt, er dringt in das gesunde Gewebe ein und zerstört es. Zudem können sich Absiedelungen (Metastasen) in anderen Organen bilden: Bei Brustkrebs sind vor allem die Knochen, Leber, Lunge und das Gehirn betroffen.

Viele Frauen ertasten den Tumor selbst als derben Knoten in der Brust, der sich schlecht verschieben lässt. Invasive Karzinome können aber auch wachsen, ohne dass ein Knoten zu sehen oder spüren ist. Nichtinvasive Tumore werden dagegen als Vorstufe des Brustkrebses eingestuft, denn diese Tumore haben nicht das Potenzial, Metastasen zu bilden.

Brustkrebs verursacht im Frühstadium normalerweise keine Schmerzen. Es gibt aber einige Symptome, die auf einen Tumor hindeuten könnten: Verhärtungen in der Brust, Veränderungen der Brustgröße und –form, unterschiedliche Bewegung der Brüste beim Anheben der Arme, Einziehungen der Haut oder einer Brustwarze, Veränderungen der Farbe oder der Empfindlichkeit der Brusthaut, des Warzenvorhofes oder der Brustwarze, Absonderungen aus einer Brustwarze, vor allem einseitig, Knoten bzw. vergrößerte Lymphknoten in den Achselhöhlen, Rötung der Haut (als vermeintliche Entzündung) und besonders auch Rötungen der Brust außerhalb des Wochenbettes.

„Da solche Symptome aber auch ganz andere Ursachen haben können, sollten sich betroffenen Frauen ärztlichen Rat einholen. Falls es sich tatsächlich um Brustkrebs handeln sollte, verbessert auch eine frühe Diagnose die Erfolgsaussichten der Behandlung entscheidend.“

Risikofaktoren, die zu einer Erkrankung führen können, sind steigendes Alter, erbliche Belastungen (BRCA 1 & 2) sowie eine frühe eingesetzte erste Menstruation oder vergleichsweise späte Wechseljahre. Frauen, die bei der Geburt ihres ersten Kindes älter als 30 Jahre alt waren und Frauen, die keine Kinder geboren haben (Nullipara), haben ebenfalls ein erhöhtes Brustkrebsrisiko. Auch die Hormonersatztherapie (HRT), eine fortgeschrittene Knötchen- oder Zystenbildung an den Brüsten mit Entstehung so genannter atypischer Zellen (Mastopathie) können die Bildung von Brustkrebs begünstigen.

Diagnose

Falls ein Knoten oder eine Verhärtung festgestellt wird, stehen folgende ärztliche Untersuchungen an, um eine mögliche Erkrankung auszuschließen oder rechtzeitig zu entdecken:

  • Der Arzt tastet beide Brüste und die Lymphknotenstationen der Achselhöhlen gründlich ab.
  • Bei einer Mammografie wird die Brust geröntgt, so dass Knoten (Herdbefunde), Lymphflusswege und feine Verkalkungen im Gewebe sichtbar gemacht werden. Der so genannte Mikrokalk ist ein Zeichen für Umbauvorgänge im Gewebe und kann ein Hinweis auf eine Krebsvorstufe sein, wobei es sich auch um gutartige Veränderungen handeln kann.
  • Eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung ergänzt die anderen Methoden zur Früherkennung. Die Sonografie eignet sich vor allem, um solide Knoten von Zysten zu unterscheiden. Insbesondere bei jungen Frauen, deren Brustdrüsengewebe nicht so dicht ist, liefert sie oft bessere Bilder als die Mammografie.
  • Eine Magnetresonanztomografie (Mamma-MRT) ist als Ergänzung zu den oben genannten Methoden sinnvoll, wenn diese unklare Ergebnisse zeigen. Das Verfahren ist hochempfindlich und kann Veränderungen im Brustgewebe sichtbar machen.

Endgültige Klarheit, ob eine Veränderung in der Brust gutartig oder bösartig ist, schafft aber erst eine Gewebeprobe. Die Standardmethode zur Gewebeentnahme ist die Stanzbiopsie. Diese Untersuchung wird unter örtlicher Betäubung vorgenommen und verursacht kaum Schmerzen. Die Gewebeproben müssen dann von einem Spezialisten für Gewebe- und Zelluntersuchungen (Pathologen) mikroskopisch beurteilt werden. Findet er Krebszellen, gilt die Diagnose Brustkrebs als gesichert.

Behandlungsmethoden

Für die Behandlung von Brustkrebs stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung: Der Tumor kann operiert, bestrahlt und mit Medikamenten behandelt werden. Die einzelnen Methoden werden in der Regel kombiniert. Welche Behandlung angewandt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Der behandelnde Arzt stimmt die Therapie immer individuell auf seine Patientin ab, da vor allem das Alter der Patientin und der Menopausenstatus, die Art des Tumors, seine Größe und Ausbreitung sowie feingewebliche und biologische Merkmale eine Rolle spielen.

Bei einer lokalen Behandlung wird der Tumor an seinem Entstehungsort bekämpft. Das geschieht meistens durch eine Operation, in besonderen Situationen erfolgt eine Bestrahlung. Eine lokale Behandlung ist auch dann möglich, wenn der Krebs metastasiert.

Bei einer systemischen Therapie erhält die Brustkrebspatientin eine Chemotherapie und eine Antihormonelle Therapie. Die Medikamente wirken nicht nur gegen den Tumor in der Brust, sondern gelangen mit dem Blutstrom in das Körpergewebe. Dadurch lassen sich auch Krebszellen bekämpfen, die sich mit dem Blut oder der Lymphflüssigkeit im Körper verteilt oder bereits Metastasen gebildet haben.

Die Therapieformen unterteilen sich in kurative, mit dem Ziel, die Patientin zu heilen und in palliative, falls sich schon Fernmetastasen gebildet haben: Bei der palliativen Therapie wird ein Fortschreiten der Erkrankung verhindert und die Beschwerden gelindert.

Beim operativen Entfernen von Brustgewebe gilt: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Für die meisten Brustkrebspatientinnen bedeutet das heute eine Brust erhaltende Operation. Dabei schneidet man nur den Tumor und etwas von dem umliegenden gesunden Gewebe heraus.

Dr. Schittler im Gespräch

In manchen Fällen ist der Tumor zu groß für eine Brust erhaltende Operation. Falls auch durch eine vor dem Eingriff angesetzte, neoadjuvante Therapie der Tumor nicht verkleinert werden kann, muss die ganze Brust abgenommen werden, meistens einschließlich der Achsel-Lymphknoten. Eine solche Brustentfernung (Mastektomie) ist beispielsweise auch erforderlich, wenn an mehreren Stellen in der Brust Tumorherde wachsen, oder wenn es sich um einen entzündlichen Krebs handelt. Manche Frauen wünschen sich auch eine komplette Entfernung der Brust, weil sie sich damit sicherer fühlen. Auch bei einer ausgedehnten Krebsvorstufe kann eine Mastektomie erforderlich werden.

Bei fast jeder Frau, die Brust erhaltend operiert wurde, empfiehlt sich eine anschließende Strahlentherapie. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Krebs wiederkommt, lässt sich dadurch deutlich verringern. Auch nach einer Mastektomie kann je nach dem pathologischen Ergebnis eine Bestrahlung erforderlich werden.

Im Rahmen der Chemotherapie wird eine Reihe von Medikamenten eingesetzt, die mit unterschiedlichen Wirkmechanismen Krebszellen töten. Durch die Kombination verschiedener Zytostatika (Chemotherapeutika) wird versucht, möglichst viele der bösartigen Zellen zu zerstören. Die Chemotherapie wird in der Regel ambulant in mehreren Zyklen, mit Ruhephasen, durchgeführt. In der medikamentenfreien Zeit können sich auf diese Weise die gesunden Körperzellen wieder erholen, denn die Krebsmedikamente wirken auch auf die gesunden Körperzellen, was zum Beispiel zu Haarausfall, gereizten Schleimhäuten und Übelkeit führen kann.

Ein hormonabhängiger Brustkrebs wird unter dem Einfluss von Hormonen im Wachstum gefördert. Hier kann eine Anti-Hormontherapie helfen. Ob ein Tumor hormonabhängig ist oder nicht, ergibt die pathologische Untersuchung des entfernten Brustgewebes nach der Stanzbiopsie beziehungsweise der Operation.

Die neuste Behandlungsstrategie ist die so genannte zielgerichtete Therapie („targeted therapy“). Dabei kommen Wirkstoffe zum Einsatz, die ganz spezifisch nur die Krebszellen töten und die im Gegensatz zur Chemotherapie keine oder nur wenige Auswirkungen auf gesunde Körperzellen haben: Trastuzumab blockiert die körpereigenen Botenstoffe, die das Wachstum der Brustkrebszellen fördern, Lapatinib hemmt die Weiterleitung von Wachstumssignalen innerhalb der Zellen und Bevacizumab unterbindet die Blutversorgung des Tumors.

Nach einer Brustkrebsoperation wird eine Anschlussbehandlung wie Chemo-, Strahlen-, oder Hormontherapie empfohlen. Bei der neoadjuvanten Therapie wird der Tumor vor der Operation mittels systemischer Behandlung - zum Beispiel einer Chemo- und Hormontherapie - verkleinert. Dadurch kann häufiger Brust erhaltend operiert werden. Auch eine Strahlentherapie kann in bestimmten Situationen vor einer Operation durchgeführt werden.

Ob eine Brustkrebserkrankung heilbar ist, hängt davon ab, in welchem Krankheitsstadium die Diagnose gestellt wurde. Wichtig ist dabei vor allem, ob sich die Krebszellen bereits bis in die Lymphknoten der Achselhöhlen sowie über die Blutbahn ausgebreitet haben. Allgemein gilt: Je früher die Krankheit entdeckt wird, umso höher sind auch die Heilungschancen.

Nachsorge

Muss eine Herzrhythmusstörung medikamentös therapiert werden, ist die regelmäßige Einnahme der Arzneimittel wichtig und notwendig. Dabei sollten die ärztlichen Vorgaben genau beachtet werden.

Bei einem Vorhofflimmern können sich in den Vorhöfen Thromben (Blutgerinnsel) bilden. Diese werden mit dem Blutstrom weggeschwemmt und können Gefäße verschließen (Embolie). Tritt dieser Fall ein, und werden Hals- oder Gehirnschlagadern verschlossen, führt dies zu einem Schlaganfall. Etwa jeder fünfte Schlaganfall ist auf Vorhofflimmern zurückzuführen.

Begleitung und Nachsorge: Psychoonkologie

Während und nach einer Krebserkrankung sind die emotionalen Reaktionen der betroffenen Frauen sehr individuell. Gerade die Zeit der Diagnostik, der Operation und des Wartens auf weitere Informationen sind eine emotionale Belastung, die ein Wechselbad zwischen Zuversichtlichkeit und tiefer Traurigkeit sind. Häufig sind es Gefühle, die viele Betroffene nie zuvor erlebt haben. Deshalb sollte während einer Behandlung auch auf die emotionale Belastung Rücksicht genommen werden, die diese Krankheit mit sich bringt.

Je nach Bedarf sollten therapeutische Maßnahmen wie Verhaltenstherapeutische und Tiefenpsychologische Einzel- und Gruppentherapie, Gesprächstherapie, Krisenintervention, supportive Psychotherapie zur Bewältigung von Angst, Schmerz und Stress sowie familientherapeutische Intervention angeboten werden. Entspannungstechniken, Verhaltenstraining und Ergotherapie können ebenfalls helfen, die Erkrankung zu meistern.

Prävention

Es gibt viele Faktoren, die Brustkrebs begünstigen. Manche können nicht beeinflusst werden, beispielsweise die genetische Veranlagung oder das Lebensalter, wohl aber der Lebensstil.

Einen erheblichen Einfluss auf das individuelle Brustkrebsrisiko hat beispielsweise das Körpergewicht, beziehungsweise die Menge an Fettgewebe im Körper. Je höher der Body-Mass-Index (BMI), desto höher ist auch das Krankheitsrisiko. Denn häufig haben Übergewichtige einen erhöhten Insulinspiegel, der auch eine Krebserkrankung begünstigt. Auch wenn ein Tumor bereits da ist, spielt das Gewicht eine erhebliche Rolle: Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Überlebenschance von schlanken Brustkrebspatientinnen deutlich höher ist als die von übergewichtigen Frauen.

Alkohol hat ebenfalls einen erheblichen Einfluss auf das Brustkrebsrisiko. Denn ein übermäßiger Alkoholkonsum erhöht den Östrogenspiegel. Auch Rauchen begünstigt Krebs.

Ernährungswissenschaftler gehen davon aus, dass eine Ernährung, die reich an Obst und Gemüse ist, Krebserkrankungen vorbeugt. Der Grund ist der hohe Gehalt an Antioxidantien. Einen protektiven Effekt hat auch das Kinderkriegen: Mütter erkranken seltener an Brustkrebs als kinderlose Frauen. Je jünger eine Frau beim ersten Kind ist, je mehr Kinder sie geboren hat und je länger sie stillt, desto niedriger kann ihr Brustkrebsrisiko sein.

 Portrait 

Dr. Pamela Schittler,
Oberärztin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Bethesda Krankenhaus Wuppertal

 Klinikverzeichnis 

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