Krankheitsbild Bandscheibenvorfall 

Der Bandscheibenvorfall

Autor: Dr. med. Munther Sabarini

Alarmsignal Rückenschmerz

In Deutschland haben statistisch gesehen rund 80 Prozent der Menschen gelegentlich und rund 40 Prozent regelmäßig wiederkehrende Rückenschmerzen. Allein 800.000 Mal jährlich wird die Diagnose Bandscheibenvorfall gestellt, meist bei Patienten im mittleren Alter zwischen 45 und 55 Jahren.  Doch die Mehrheit von ihnen kann mit Medikamenten, Physiotherapien oder Infiltrationen erfolgreich behandelt werden. Bei etwa 70.000 der jährlich Betroffenen steht eine Operation an.

Aufnahme eines Bandscheibenvorfalls

Der Bandscheibenvorfall und die Möglichkeiten der Behandlung

In der Wirbelsäule sitzen die Bandscheiben wie kleine Stoßdämpfer zwischen den einzelnen Wirbeln und übernehmen eine Pufferfunktion, indem sie Erschütterungen abfangen. Sie bestehen aus einem weichen Gallertkern und einem äußeren Faserring, der für die nötige Stabilität sorgt. Bei dauerhafter falscher oder zu starker Belastung und altersbedingtem Verschleiß kommt es oft zu einer Bandscheibenvorwölbung. Dabei drückt der Gallertkern den äußeren Faserring gegen das hintere Längsband, welches die Bandscheibe vom Rückenmarkskanal abschirmt.

Nach und nach entstehen kleine Einrisse im äußeren Faserring. Dadurch kann ein Teil des zähflüssigen Bandscheibenkerns aus dem Ring austreten  und in den Wirbelkanal gelangen. Wenn diese ausgetretene Gallertmasse dann auf eine Nervenwurzel drückt, kommt es zu massiven Schmerzen,  zu Sensibilitätsstörungen oder Lähmungen.

Letzte Auslöser für solch einen Vorfall sind meist schweres Heben oder  ruckartige Drehbewegungen.  

Besonders häufig betroffen sind die Bandscheiben im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule (L4/L5) und (L5/S1) sowie im unteren Abschnitt der Halswirbelsäule (C 5/6 und C 6/7), da hier sowohl die Belastung als auch die Beweglichkeit am größten ist. 

Symptome des Bandscheibenvorfalls

Einige Bandscheibenvorfälle können unbemerkt und symptomfrei verlaufen. Kommt es jedoch zu einer starken  Reizung der Rückenmarksnerven treten verschiedene Symptome, je nach Lage des Bandscheibenvorfalls auf.

Bei einem Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule (LWS) kommt es meist zu stechenden Schmerzen im unteren Rücken, eine Ausstrahlung über das Bein bis in den Fuß und / oder Taubheitsgefühlen bzw. Empfindungsstörungen, wie Ameisenlaufen und Kribbeln. Echte Lähmungen oder Muskelschwächen in den Beinen sind seltener und weisen auf einen größeren Bandscheibenvorfall hin.

Bei einem den Wirbelkanal großflächig ausfüllenden Bandscheibenvorfall kann es zusätzlich zu Schmerzen, Taubheit und Lähmungen in den Beinen auch zu schweren Störungen der Blasen- und Mastdarmfunktion kommen. Hierbei tritt ein Taubheitsgefühl im Anal- und Genitalbereich, sowie  auf der Innenseite der Oberschenkel auf. Bei Lähmungserscheinungen und / oder Blasenentleerungsstörungen muss sofort eine Akutbehandlung vom Arzt in einer Klinik durchgeführt werden!

Der Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule (HWS) geht häufig mit Nackenschmerz einher, der zwischen die Schulterblätter sowie in die Arme ausstrahlt. Zusätzlich kann ein Taubheitsgefühl in Armen und Fingern beginnen. Auch Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen,  Schwindel, Tinnitus, Gleichgewichtsstörungen oder Sehstörungen kommen gelegentlich vor. Eine Muskelschwäche in den Armen weist wiederum auf einen stärkeren Bandscheibenvorfall hin.

Häufig gehen alle Arten von Bandscheibenvorfällen mit Verspannungen, Kraftminderung, Bewegungseinschränkungen und Schlafstörungen einher. 

Bandscheibenvorfall

Diagnose des Bandscheibenvorfalls

Ein Bandscheibenvorfall kann mit Hilfe bildgebender Verfahren diagnostiziert werden. Meist wird die Magnet-Resonanz-Tomografie – Kernspintomographie (MRT) verwendet. Sie zeigt sowohl alle Details der Bandscheibe als auch Rückenmark und Nervenwurzeln.

Nur ein Facharzt  kann feststellen, ob die zu sehenden Veränderungen der Wirbelsäule wirklich die Beschwerden des Patienten erklären können. Oder:  oder ob es sich nur um einen Zufallsbefund handelt und die Beschwerden eine andere Ursache haben.

Deshalb wird der Wirbelsäulen-Spezialist trotz vorliegender MRT-Bilder und Befunde immer ein ausführliches Gespräch (Anamnese) mit dem Patienten anstreben und eine körperliche und neurologische Untersuchung durchführen. Die berufliche und psychosoziale Umstände werden hier in Betracht gezogen werden.

Therapie des Bandscheibenvorfalls

Nicht immer müssen die Ärzte unserer Spezialklinik in Berlin gleich operieren. Gewöhnlich behandeln wir  Bandscheibenvorwölbungen und -vorfälle vor allem mit konservativen Therapien. Wir haben dafür ein großes Portfolio an medikamentösen und physikalischen Methoden. Vielen Patienten können wir zum Beispiel mit Injektionsbehandlungen, CT-gesteuerte PRT (peri-radikuläre-Therapie),  Infusionen, Physiotherapien, Massagen, Osteopathie, Strom, Wärme- und Kältetherapien helfen.

Bei den Injektionsbehandlungen spritzen wir schmerz- und entzündungshemmende Medikamente direkt an die betroffenen Nervenwurzeln. Die Injektionen können auch unter Bildwandler, CT oder MRT genauer platziert werden.

Mithilfe von physiotherapeutischen Maßnahmen lernen Sie, Ihren Körper wieder bewusst einzusetzen und zu koordinieren. Besonders wichtig dabei ist der gezielte Muskelaufbau, für eine Stabilisierung  der Wirbelsäule.

Erst wenn die konservativen Behandlungen keine ausreichende Wirkung zeigen, oder beim Vorliegen von Lähmungserscheinungen bzw. Blasenentleerungsstörungen kommen andere, minimalinvasive Methoden zum Einsatz. Diese zählen bereits zu den Bandscheiben OP.

Die Bandscheiben-Operation

Zur Schrumpfung des störenden Gewebes setzen wir die perkutane Laserdiskusdekompression (PLDD) oder die perkutane Nukleotomie ein.

Perkutane Nukleotomie *

Die perkutane Nukleotomie eignet sich in erster Linie zur Behebung von Bandscheibenvorwölbungen und leichten bis mittleren Bandscheibenvorfällen. Dabei beseitigt die perkutane Nukleotomie die Ursache der Schmerzen ohne das umgebende Gewebe unnötig zu verletzen.  Wir führen lediglich einen Stich an der betreffenden Bandscheibe vor und führen eine feine, sich drehende Spiralnadel ein. Diese entfernt die Gewebeteile, die zwischen den Wirbeln herausragen und auf die Rückenmarksnerven drücken. Dadurch kommt es zu Volumen. Bzw. zu Druckreduktion was letztendlich zu Entlastung der Neuralstrukturen führt. Die perkutane Nukleotomie wird sowohl bei Bandscheibenvorwölbungen (Protrusion) der Lendenwirbelsäule als auch der Halswirbelsäule. 

Mikrochirurgie * 

Bei starker Nervenkompression wird von unseren Berliner Wirbelsäulenspezialisten die Mikrochirurgie angewandt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Operationsverfahren genügt ein kleiner Schnitt von ein bis drei Zentimetern Länge. Dadurch verringert sich die Gefahr der Narbenbildung deutlich. Unter Vollnarkose führen wir eine Sonde direkt an die betroffene Bandscheibe. Überstehendes Gewebe wird entfernt und die Stelle leicht erweitert. So kann die Entlastung der Nervenwurzel erreicht werden. Der Eingriff ist mit 30 bis 60 Minuten relativ kurz. Bereits nach 6 bis 10 Tagen kann der Patient das Krankenhaus verlassen.

Bandscheibenzüchtung *

Mithilfe des Verfahrens der Bandscheibenzelltransplantation (ADCT) kann jetzt erstmals das Volumen der Bandscheiben erhalten und ihre Elastizität wiederhergestellt werden - durch eine biologische Erneuerung des Bandscheibengewebes.

Gesunde Zellen aus dem während einer OP entnommenen Bandscheibengewebe werden in einem Speziallabor isoliert und unter bestimmten Bedingungen (Temperatur, Feuchtigkeit, Sauerstoff, Druck) vermehrt. Einige Wochen später führen wir unter Lokalanästhesie die neu gezüchteten Zellen in den Bandscheibenkern ein. Dadurch nehmen diese schon nach kurzer Zeit wieder ihre Stoßdämpferfunktion wahr.

 Portrait 

Dr. med. Munther Sabarini

Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie

Avicenna Klinik Berlin

 Klinikverzeichnis für Bandscheibenvorfälle 

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