Pflegegrade: Einstufung und neues Begutachtungsassessment 

 Informationen 

Allgemeine Informationen zu den Pflegegrade

Das zweite Pflegebedürftigkeitsgesetz (PSG II) soll den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff einführen. Dieser erfasst individuell Beeinträchtigungen und Fähigkeiten der Pflegebedürftigen. Die fünf Pflegegrade sollen ab 2017 die drei Pflegestufen ersetzen. Ab 2017 ermittelt das Neue Begutachtungsassessment (NBA) die individuellen Beeinträchtigungen und Fähigkeiten in sechs pflegerelevanten Lebensbereichen/Modulen, um den jeweiligen Pflegegrad zu bestimmen.

 Einstufung der Pflegebedürftigkeit 

Ermittlung des Pflegegrades

Gutachten werden in Deutschland meist von dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK), andere unabhängige Gutachter oder dem Sozialmedizinischen Dienst (SMD) erstellt. Diese erfassen und beschreiben den Grad der Selbstständigkeit in den pflegerelevanten Lebensbereichen. In der Regel wird ein Gutachten bei einem im Vorfeld vereinbarten Hausbesuch erstellt und die Fähigkeiten des Menschen in acht Lebensbereichen festgehalten.

Sechs von acht Lebensbereiche fuer die Pflegegrade

In die Einstufung der Pflegebedürftigkeit fließen die Module 7 und 8 nicht mit ein. Diese Module helfen der Pflegeberatung dabei, die Pflegebedürftigen in Bezug auf weitergehende Angebote bzw. Sozialleistungen beraten zu können und darüber hinaus einen individuellen Versorgungsplan zu erstellen. Um den Pflegegrad bestimmen zu können, ist eine Gesamtbewertung aller Fähigkeiten und Beeinträchtigungen notwendig. Für jeden einzelnen Lebensbereich/Modul werden Kriterien je nach Schweregrad der Beeinträchtigung mit Punkten bewertet. Diese Punkte werden anschließend zusammengezählt und gewichtet (siehe folgende Abbildung). Eine Besonderheit zeigen die Module 2 und 3. Bei diesen beiden Modulen wird nur der jeweils höhere Wert von Modul 2 oder 3 gewichtet und fließt in die Beurteilung ein.

Die Gewichtung der Module bei der Berechnung des Pflegegrades

Gewichtung der Module für die Ermittlung des Pflegegrades

Die Umrechnung der Punktzahl in den Pflegegrad

Der Gesamtpunktwert bestimmt den Pflegegrad. Geregelt ist dies in § 15 Abs. 3 SGB XI. Dieses System bietet den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen die Möglichkeit die Leistungen der Pflegeversicherung, ihren Wünschen und Lebenssituationen anzupassen. Die Zeiterfassung spielt in dieser Begutachtung keine Rolle mehr. Die Gesamtpunkte, welche aus den Lebensbereichen zusammengetragen werden, stufen die Pflegebedürftigen wie folgt ein. Punktverteilung zur Ermittlung der Pflegegrade

 Leistungen der gesetzlichen Pflegepflichtversicherung 

Leistungen bzw. Pflegegeld für die Pflege von Angehörigen

PflegestufeEuroPflegegradEuro
Pflegestufe 0123,00 €=>Pflegegrad 2316,00
Pflegestufe 1244,00 €=>Pflegegrad 2316,00
Pflegestufe 1 und Demenz316,00 €=>Pflegegrad 3545,00
Pflegestufe 2458,00 €=>Pflegegrad 3545,00
Pflegestufe 2 und Demenz545,00 €=>Pflegegrad 4728,00
Pflegestufe 3728,00 €=>Pflegegrad 4728,00
Pflegestufe 3 und Demenz
sowie Härtefall
728,00 €=>Pflegegrad 5901,00

Leistungen bzw. Pflegegeld für die Pflege daheim durch den Pflegedienst

PflegestufeEuroPflegegradEuro
Pflegestufe 0231,00=>Pflegegrad 2689,00
Pflegestufe 1468,00=>Pflegegrad 2689,00
Pflegestufe 1 und Demenz689,00=>Pflegegrad 31.298,00
Pflegestufe 21.144,00=>Pflegegrad 31.298,00
Pflegestufe 2 und Demenz1.298,00=>Pflegegrad 41.612,00
Pflegestufe 31.612,00=>Pflegegrad 41.612,00
Pflegestufe 3 und Demenz1.612,00=>Pflegegrad 51.995,00
Härtefall1.995,00=>Pflegegrad 5

1.995,00

Leistungen bzw. Pflegegeld für die Pflege im Altenheim

PflegestufeEuroPflegegradEuro
Pflegestufe 11.064,00=>Pflegegrad 2770,00
Pflegestufe 1 und Demenz1.064,00=>Pflegegrad 31.262,00
Pflegestufe 21.330,00=>Pflegegrad 31.262,00
Pflegestufe 2 und Demenz1.330,00=>Pflegegrad 41.775,00
Pflegestufe 31.612,00=>Pflegegrad 41.775,00
Pflegestufe 3 und Demenz1.612,00=>Pflegegrad 52.005,00
Härtefall1.995,00=>Pflegegrad 52.005,00

 Lebensbereiche / Module der Pflegegrade 

Module der Pflegegrade und deren Bedeutung

Modul 1 - Mobilität

Modul 1 Mobilitaet

Positionswechsel im Bett, Halten einer stabilen Sitzposition, Umsetzen, Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs, Treppensteigen

Modul 2 - Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

Modul 2 - Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

Erkennen von Personen aus dem näheren Umfeld, örtliche Orientierung, zeitliche Orientierung, Erinnern an wesentliche Ereignisse oder Beobachtungen, Steuern von mehrschrittigen Alltagshandlungen, Treffen von Entscheidungen im Alltagsleben, Verstehen von Sachverhalten und Informationen, Erkennen von Risiken und Gefahren, Mitteilen von elementaren Bedürfnissen, Verstehen von Aufforderungen, Beteiligen an einem Gespräch

Modul 3 - Verhaltensweisen und psychische Problemlagen

Modul 3 - Verhaltensweisen und psychische Problemlagen

motorisch geprägte Verhaltensauffälligkeiten, nächtliche Unruhe, selbstschädigendes und autoaggressives Verhalten, Beschädigen von Gegenständen, physisch aggressives Verhalten gegenüber anderen Personen, verbale Aggression, andere pflegerelevante vokale Auffälligkeiten,  Abwehr  pflegerischer  und  anderer  unterstützender  Maßnahmen, Wahnvorstellungen, Ängste, Antriebslosigkeit bei depressiver Stimmungslage, sozial inadäquate Verhaltensweisen, sonstige pflegerelevante inadäquate Handlungen

Modul 4 - Selbstversorgung

Modul 4 - Selbstversorgung

Waschen des vorderen Oberkörpers, Körperpflege im Bereich des Kopfes, Waschen des Intimbereichs, Duschen und Baden einschließlich Waschen der Haare, An- und Auskleiden des Oberkörpers, An- und Auskleiden des Unterkörpers, mundgerechtes Zubereiten der Nahrung und Eingießen von Getränken, Essen, Trinken, Benutzen einer Toilette oder eines Toilettenstuhls, Bewältigen der Folgen  einer  Harninkontinenz  und  Umgang  mit Dauerkatheter und Urostoma, Bewältigen der Folgen  einer  Stuhlinkontinenz und Umgang mit Stoma, Besonderheiten  bei  Sondenernährung,  Besonderheiten bei parenteraler Ernährung, Bestehen gravierender Probleme bei der Nahrungsaufnahme bei Kindern bis zu 18 Monaten, die einen außergewöhnlich pflegeintensiven Hilfebedarf auslösen

Modul 5 - Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen oder Belastungen

Modul 5 - Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen oder Belastungen

a) in Bezug auf Medikation, Injektionen, Versorgung intravenöser Zugänge, Absaugen  und  Sauerstoffgabe,  Einreibungen  sowie  Kälte-  und  Wärmeanwendungen, Messung und Deutung von Körperzuständen, körpernahe Hilfsmittel, 
b) in Bezug auf Verbandswechsel und Wundversorgung, Versorgung mit Stoma, regelmäßige Einmalkatheterisierung und Nutzung von Abführmethoden, Therapiemaßnahmen in häuslicher Umgebung 
c) in Bezug auf zeit- und technikintensive Maßnahmen in häuslicher Umgebung, Arztbesuche,  Besuche  anderer  medizinischer  oder  therapeutischer  Einrichtungen,  zeitlich  ausgedehnte  Besuche  medizinischer  oder therapeutischer Einrichtungen, Besuch von Einrichtungen zur Frühförderung bei Kindern sowie 
d) in Bezug auf das Einhalten einer Diät oder anderer krankheits- oder therapiebedingter Verhaltensvorschriften

Modul 6 - Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Modul 6 - Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Gestaltung des Tagesablaufs und Anpassung an Veränderungen, Ruhen und Schlafen, Sichbeschäftigen, Vornehmen von in die Zukunft gerichteter Planungen, Interaktion mit Personen im direkten Kontakt, Kontaktpflege zu Personen außerhalb des direkten Umfelds

Modul 7 - außerhäusliche Aktivitäten

Modul 7 - außerhäusliche Aktivitäten

Verlassen  des  Bereichs  der Wohnung  oder  der Einrichtung, Fortbewegen außerhalb der Wohnung oder der Einrichtung, Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel im Nahverkehr, Mitfahren in einem Kraftfahrzeug, Teilnahme an kulturellen, religiösen oder sportlichen Veranstaltungen, Besuch von Schule, Kindergarten, Arbeitsplatz, einer Werkstatt für behinderte Menschen oder Besuch einer Einrichtung der Tages- oder Nachtpflege oder eines Tagesbetreuungsangebotes, Teilnahme an sonstigen Aktivitäten mit anderen Menschen

Modul 8 - Haushaltsführung

Modul 8 - Haushaltsführung

Einkaufen für den täglichen Bedarf, Zubereitung einfacher Mahlzeiten, einfache Aufräum- und Reinigungsarbeiten, aufwändige Aufräum- und  Reinigungsarbeiten  einschließlich  Wäschepflege,  Nutzung  von  Dienstleistungen, Umgang mit finanziellen und Behördenangelegenheiten

 Suche nach Pflegeheimen 

Suche nach PflegeheimFinden Sie das passende Pflegeheim in Ihrem Ort und nutzen dazu einfach unsere Pflegeheimsuche. Hierbei können Sie auch nach weiteren Kriterien, wie Wohnform (Pflegeheim, Seniorenheim oder Seniorenresidenz) und Serviceangeboten (Betreutes Wohnen, Kurzzeitpflege, Tagespflege, Vollzeitpflege und Spezialeinrichtung) filtern.

 Umstellung von Pflegestufen zu Pflegegraden 

Umrechnung von Pflegestufe zu Pflegegrade

Die Umstellung erfolgt für Pflegebedürftige, welche zum Zeitpunkt der Änderung bereits Leistungen der Pflegeversicherung beziehen, fließend. So erhalten Menschen mit ausschließlich körperlichen Einschränkungen den nächst höheren Pflegegrad. Menschen mit Pflegestufe I erhalten nach der Umstellung den Pflegegrad 2, Menschen mit der Pflegestufe III erhalten den Pflegegrad 4. Menschen mit gestigen Einschränkungen kommen automatisch in den übernächsten Pflegegrad. Die sogenannte Pflegestufe 0 wird in Pflegegrad 2, die Pflegestufe II mit eingeschränkter Alltagskompetenz wird in den Pflegegrad 4 übergeleitet.

Umwandlung von Pflegestufe zu Pflegegrad

Bisher führt bei stationären Pflegeeinrichtungen die Einstufung der Pflegebedürftigen in eine höhere Pflegestufe nicht nur zu höheren Leistungen, sondern auch zum Anstieg des pflegebedingten Eigenanteils, welchen die Betroffenen selbst zu tragen haben. Dies führt dazu, dass Pflegebedürftige aus Angst vor höheren Eigenanteilen einer Neubegutachtung nicht zustimmen, obwohl sie mehr Pflege bräuchten. Mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II) wird in den vollstationären Pflegeeinrichtungen ein einheitlicher pflegebedingter Eigenanteil für die Pflegegrade 2 bis 5, von der jeweiligen Einrichtung mit den Pflegekassen und dem Sozialhilfeträger, ermittelt. Dieser Anteil wird sich auch bei der hochstufung in einen höheren Pflegegrad nicht ändern.

 Facharzttermin binnen 4 Wochen 

Wir geben Ihnen Hinweise wie Sie binnen 4 Wochen zu Ihrem Facharzttermin kommen. Außerdem haben wir die wichtigsten Rufnummern für Sie zusammengetragen.