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Medizin der Ur- und Frühgeschichte

   
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Unsere Vorfahren in der Alt- und der Jungsteinzeit scheinen nicht an der selben Art von Krankheiten gelitten zu haben, die den Menschen im zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhundert zu schaffen machen. In einer Gesellschaft von Jägern und Sammlern waren Infektionen und Krankheiten die vom Tier auf den Menschen übertragen wurden (sog. Zoonosen, zum Beispiel Tollwut oder Toxoplasmose) vermutlich verbreiteter. Es gibt bisher keine Beweise, dass sie an Krankheiten litten, die uns bisher unbekannt waren, aber einige Krankheiten die heute als ungefährlich betrachtet werden, können damals verheerende Ausmaße gehabt haben.

In den Jägerkulturen lag die Lebenserwartung bei etwa 35 Jahren für Männer und 30 Jahren für Frauen. Die Hauptursachen hierfür sind weitgehend ungeklärt. Als größere Menschengruppen ca. 11.000 v. Chr. sesshaft wurden, stieg die Lebenserwartung, besonders die der Frauen, zuerst sprunghaft an. Aber Überbevölkerung, die Nähe zu den Haustieren, schlechte bis gar keine Abfallentsorgung führten zur Verbreitung von Krankheiten und Epidemien.

Heilung war in der damaligen Zeit mit dem Glauben an Magie verknüpft. Schamanen und Medizinmänner vertrieben die bösen Geister, die die Krankheit verursachten. Es gibt Skelettfunde, bei denen gebroche Knochen verheilt sind. Man wertet dies als Hinweis auf eine zeitweise Versorgung der Leute durch andere Stammesangehörige. Die Art, wie diese Brüche verheilt sind, legt eine Schienung nahe. Aus der mittleren Steinzeit stammt ein Skelett, eines ca. 60-jährigen Mannes mit schwersten arthritischen Veränderungen. Dieser Mann muss von anderen Leuten versorgt worden sein.

Ötzi, allseits bekannt, ist eine Leiche aus der Zeit um 3.000 v. Chr., die besonders genau untersucht wurde. Er wies einige chronische Erkrankungen auf. In seiner Haut sind Tätowierungen zu finden, die zum großen Teil den heute für diese Erkrankungen verwendeten Akupunkturpunkten entsprechen.

Die überlieferten Befunde sind aber insgesamt denkbar rar. Dinge aus Holz, Leder etc. vergehen, nur Knochen, Stein und Keramik bleiben erhalten. Wenn aber schon Schimpansenstämme gezielt bestimmte Pflanzen verwenden, um etwa Bauchweh zu behandeln, muss man bei den Menschen dieser Zeit von einer recht ausgeklügelten Naturheilkunde ausgehen. Sie hatten sehr viel Zeit, zu beobachten und zu experimentieren. Die fehlende Überlieferung beweist nicht, dass es in dieser Zeit keine Heilkunde gegeben hat. Betrachtet man die heute noch auf Steinzeitniveau lebenden Leute genauer, so haben sie ein grosses Wissen um Kräuter und Drogen.

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