Anzeige

Choleraepidemie von 1892

Die Choleraepidemie von 1892 in Hamburg brach während eines heißen Sommers aus. Der Pegel der Elbe war niedrig und das Flusswasser ungewöhnlich warm.

Inhaltsverzeichnis

Ablauf

Am 14. August 1892 wurde ein Arbeiter mit starkem Brechdurchfall in ein Krankenhaus eingeliefert. Am 21. August fielen weitere drei Menschen einer merkwürdigen Krankheit zum Opfer. Anfänglich war man nicht sehr besorgt, denn man hielt die Krankheit für die "cholera nostras", die wie jedes Jahr im Sommer auftrat. Bereits in den Jahren 1822, 1831, 1832, 1848, 1859, 1866 und 1873 hatten kleinere Cholera-Epidemien Hamburg heimgesucht. Es stellte sich jedoch heraus, dass es sich nun um die asiatische Cholera handelte, die weitaus gefährlicher war.

Bereits am 22. August erkrankten 1.100 Hamburger an der Seuche, und 455 starben. Sie verdursteten elendig. Cholera, das ist ein rapider Flüssigkeitsverlust hervorgerufen durch Durchfall, bei dem man innerhalb von 24 Stunden bis zu 20 Liter Wasser verliert. Hinzu kommt Erbrechen, der Blutdruck sinkt, Muskelkrämpfe, Kreislaufkollaps. Nach maximal sieben Tagen ist die Krankheit vorbei, zu 70 Prozent tödlich.

Cholerabaracke
Cholerabaracke

Panik machte sich auch außerhalb breit. Jeglicher Verkehr mit Hamburg kam zum Erliegen, und der Handel stand still. Die Werft Blohm & Voss stellte ihren Reparaturbetrieb ein. 125 Arbeiter schaufelten in Tag- und Nachtschichten Gräber auf dem Friedhof Ohlsdorf.

Die Krankenhäuser waren überfüllt, und jeglicher Besuch wurde strengstens verboten. Die „Medicial-Behörde“ gab Zettel mit Verhaltensregeln heraus und verteilte sie an die Bevölkerung. Alkohol trinken hilft nicht - hieß es da unter anderem. Weitaus effizienter war jedoch das geheim aufgebaute Verteilersystem der Sozialdemokraten. Sie erreichten die wirkliche Zielgruppe der Handzettel: Die Armen.

Professor Robert Koch, der 1884 in Kalkutta den Cholera-Bazillus identifiziert hatte, wurde von der Reichsregierung in Berlin nach Hamburg geschickt, da der Hamburger Senat offensichtlich zögerte, einschneidende Maßnahmen zu ergreifen - er fürchtete die Schließung des Hafens und die damit verbundenen materiellen Verluste. Koch schreibt an den Kaiser: „Eure Hoheit, ich vergesse, dass ich in Europa bin. Ich habe noch nie solche ungesunden Wohnungen, Pesthöhlen und Brutstätten für jeden Ansteckungskeim angetroffen wie hier.“

Bekanntmachung.

Vor dem Genuß ungekochter Speisen, namentlich

ungekochtem Elb-und Leitungswasser sowie unge-

kochter Milch wird dringend gewarnt.

Hamburg, den 1 September 1892.

Die Cholera-Commission des Senates

Der Senat der Hansestadt wusste von den katastrophalen Bedingungen. Aber statt eines Wasserwerks hatte man lieber ein neues repräsentatives Rathaus gebaut und den Hafen erweitert. Doch täglich stieg die Zahl der Cholera-Erkrankten und der Toten. Und der Zusammenhang mit der Wasserversorgung ließ sich nicht mehr leugnen.

Bei der Eröffnung des Hamburger Rathauses wurde dann in dessen Innenhof der so genannte "Hygieia-Brunnen" aufgestellt.

Desinfektionskolonnen dem übelriechenden Chlorkalk, um die Cholera-Erreger abzutöten.
Desinfektionskolonnen dem übelriechenden Chlorkalk, um die Cholera-Erreger abzutöten.

Prof. Schenk von der Charité in einer Sendung der Deutschen Welle am 13. August 2003: "Dazu kam noch, dass Altona, die Nachbarstadt Hamburgs, damals keine Epidemie hatte, weil Altona ein moderneres Wasserwerk, das mit Sandfiltern ausgerüstet war (hatte). Und dann nach dem Filtrieren war es eben relativ keimarm, keimfrei war es nicht, aber es war dann nicht mehr gefährlich und als Trinkwasser geeignet. Also dieser technologische Unterschied, die kleine Stadt Altona, wohlhabend, hatte sich ein besseres Wasserwerk leisten können, als die große Hafenmetropole Hamburg. Das wurde dann natürlich anders, aber zu dieser Zeit musste es erst zu der Epidemie kommen, bevor man die Untersuchungen richtig deutete und erkannte."


Bilanz nach zehn Wochen: 16.956 Menschen waren erkrankt und 8.605 starben.

Folgen

  • Die Gängeviertel wurden grundlegend saniert.
  • Neue Gesetze gegen den Bau unhygienischer Wohnverhältnisse wurden erlassen.
  • Das Filtrierwerk der Hamburger Wasserwerke auf Kaltehofe wurde fertiggestellt. (1893)
  • Hamburg bekam eine Müllverbrennungsanlage, die 1893 als erste Anlage Deutschlands am Bullerdeich errichtet wurde. 1894 begann der Probebetrieb, 1896 wurde der reguläre Betrieb aufgenommen.
  • Durch eine Verfassungsänderung wurden größere Teile der Bevölkerung an der politischen Verantwortung beteiligt.
  • Es gab den Verdacht, dass russische Emigranten, die in den Baracken im Hamburger Hafen auf ihre Passage in die Vereinigten Staaten warteten, für die Einschleppung der Seuche verantwortlich waren. Dies konnte jedoch nie nachgewiesen werden. Dennoch wurden die hygienischen Verhältnisse in den Zwischendecks der Passagierschiffe verbessert, die Baracken 1906 durch die Auswandererhallen auf der Veddel ersetzt.

Literatur

  • Richard J. Evans: Tod in Hamburg, Reinbek 1990, ISBN 3-498-01648-2
  • Boris Meyn: Der blaue Tod, Historischer Roman, Reinbek 2006, ISBN 3-49923894-2

Weblinks

Asiatische Cholera


Wikipedia

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Choleraepidemie von 1892 aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation . In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren des Artikels Choleraepidemie von 1892 verfügbar.

Wichtiger Hinweis!

Die Beiträge bei www.kliniken.de im Bereich Medizin-Lexikon dienen der allgemeinen Weiterbildung. Sie können und sollen in keinem Falle die ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung ersetzen. Dies gilt insbesondere für die Beschreibungen von Erste-Hilfe-Maßnahmen, diese ersetzen auf keinen Fall den Besuch eines Erste-Hilfe-Kurses und das praktische Üben der Maßnahmen.

Das Medizinlexikon unter www.kliniken.de wird offen und ohne direkte redaktionelle Begleitung und Kontrolle bereitgestellt. Auch wenn fast alle Teilnehmer ständig daran arbeiten, die Beiträge zu verbessern, ist es möglich, dass tendenziöse, falsche, unvollständige oder verkürzte Angaben gemacht werden. So könnten auch die Gesundheit gefährdende Empfehlungen in die Texte geraten. Darüber hinaus hat medizinisches Personal Zugang zu weiterführenden Informationen, die der breiten Öffentlichkeit u.a. aus rechtlichen Gründen nicht zur Verfügung stehen oder entsprechende Vorkenntnisse voraussetzen.

Nehmen Sie niemals Medikamente (auch keine Heilkräuter) ohne Absprache mit Ihrem Arzt oder Apotheker ein!

Sie sollten daher die hier bereitgestellten Informationen niemals als alleinige Quelle für gesundheitsbezogene Entscheidungen verwenden. Bei Beschwerden sollten Sie auf jeden Fall ärztlichen Rat einholen.