Als Kollagenosen wird eine Gruppe von bestimmten schwerwiegenden, mitunter auch lebensbedrohlichen Erkrankungen unbekannter Ursache zusammengefasst. Eine Rolle bei der Krankheitsentstehung spielen nach heutigen Erkenntnissen Autoimmunphänomene, gestörte Immunregulation und noch weitere Mechanismen [1]. Fast immer sind antinukleäre Antikörper (d.h. gegen Bestandteile von Zellkernen gerichtete; von lat. nucleus = Kern ) beteiligt. Es ist nicht geklärt, ob die antinukleären Antikörper ursächlich oder nur Folge oder Begleiterscheinung der Krankheit sind.
Der Begriff „Kollagenose“ gilt seit jeher als Fehlbezeichnung, weil sich die Krankheitsvorgänge bei Kollagenosen meist nicht am kollagenen Bindegewebe abspielen (Ausnahme: Sklerodermie). Allerdings wurde bisher im medizinischen Wissenschaftsbetrieb noch keine andere Bezeichnung vorgeschlagen [1].
Zu den Kollagenosen gehören die umgangssprachlich meist einfach als Rheuma bezeichnete Rheumatoide Arthritis oder Chronische Polyarthritis, die Muskelentzündung Polymyositis, SLE (Systemischer Lupus Erythematodes), das Sjögren-Syndrom und die PBC (Primär biliäre Zirrhose (biliär = "mit der Galle zusammenhängend")). Eine besondere Form, die eine Zwischenstellung einnimmt und sowohl rheumatoide Symptome (meist nicht erosive Arthritis) als auch Symptome der Sklerodermie und des SLE aufweist, ist das Sharp-Syndrom (sog. Mischkollagenose). Typisch hierfür: U1-snRNP-Antikörper (richten sich gegen ribosomale Nukleinsäure)
Kollagenosen sind nicht selten mit weiteren Autoimmunerkrankungen, etwa einer Autoimmunthyreopathie vergesellschaftet.
Kollagenosen gelten als nicht im klassischen Sinne heilbar, die Rheumatoide Arthritis und der SLE zum Beispiel können jedoch in nicht wenigen Fällen mit einer oft mehrere Jahre andauernden Langzeitbehandlung ("Basistherapie") mit Medikamenten (Chloroquin, Azathioprin, Goldsalz und andere) zur Remission gebracht werden. Die Auslöser der Kollagenosen sind unbekannt, es wird jedoch angenommen, dass erbliche Faktoren, Hormone, psychischer Stress, Viren und Sonnenbestrahlung eine Rolle spielen können. Weiterhin fällt auf, dass bei einigen der Kollagenosen (z.B. SLE, Sjögren-Syndrom) Frauen deutlich häufiger betroffen sind als Männer und Kollagenosen bei Frauen meistens in einem Alter zwischen 30 und 40 Jahren erstmals auftreten.
Quellen
- ↑ a b Peter Fritsch, Norbert Sepp in: "Dermatologie und Venerologie", Kapitel „Kollagenosen“ S. 479-416, Springer Verlag, 2. Auflage 2004, ISBN 3-540-00332-0
Weblinks
Kategorie: Autoimmunerkrankung

