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Miasma

Das Miasma (griechisch μίασμα) bedeutet soviel wie übler Dunst, Verunreinigung, Befleckung oder sich angesteckt haben mit .... Dabei ist der Bedeutungsumfang dieses Begriffs nicht rein auf den biologisch-medizinischen Effekt der „Krankheitsübertragung“ beschränkt, sondern kann auch im übertragenen Sinne auf die geistig-emotionale Ebene angewandt werden.

Inhaltsverzeichnis

Miasma in der klassischen Medizin

Noch Mitte des 19. Jahrhunderts glaubten Mediziner, dass Seuchen wie Cholera durch üble Gerüche, also Miasma verbreitet würden. Dies stellte sich als ein Irrweg der Medizin dar. Den Irrtum erkannte man um 1850 in London. Londoner Mediziner wollten London dadurch von der Cholera befreien, dass sie die stinkenden offenen Londoner Abwasserkanäle spülen und den gelösten Dreck in die Themse spülen ließen. Dies führte zur Vergiftung des Trinkwassers und einer Choleraepidemie mit 14.000 Toten. Die Miasmen-Theorie wurde daraufhin 1854 von Dr. John Snow widerlegt. Die Entdeckung des Cholera-Bakteriums durch den Italiener Filippo Pacini im gleichen Jahr wurde allerdings aufgrund der noch vorherrschenden Miasmen-Theorie von der Medizinwelt weltweit ignoriert.

Technisch wurden Londons Abwasserprobleme durch Joseph Bazalgette gelöst, der 1858 nach siebenjähriger Diskussion seinen Vorschlag durchsetzte, neue tiefe, geschlossene Abwasserkanäle zu bauen, um so das Abwasser aus London zu leiten.

Miasmentheorie nach Samuel Hahnemann

Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, behauptete, in seinen ersten praktischen Jahren der homöopathischen Behandlung die Erfahrung gemacht zu haben, dass gut gewählte Mittel bis zu einem gewissen Punkt wirkten, aber die Symptome oder die Erkrankungen immer wiederkehrten. Dies veranlasste ihn zu jahrelanger Erforschung zahlreicher Krankengeschichten unterschiedlichster zeitlicher Herkunft. Er meinte danach erkannt zu haben, dass alle Krankheiten ihren Ursprung in dem Miasma „Psora“ oder Krätzesiechtum hätten, und nannte sie „Mutter aller Krankheiten“.

Er zählte zu dem Miasmenbegriff auch die venerischen Erkrankungen, die er sykotisches und syphilitisches Miasma nannte. Diese Erkrankungen konnten sich seiner Auffassung nach nur bei einem an Psora erkrankten Menschen manifestieren. Eine Behandlung dieser Erkrankungen mit den passenden homöopathischen Mitteln brachte oft schnelle Heilung, wenn im Nachhinein keine unterdrückenden Behandlungen erfolgten.

Die Vermischung der Miasmen nannte Hahnemann Pseudosyphilis. Der amerikanische Homöopath John Henry Allen beschrieb sie ausführlich in seinem Buch "Die chronischen Miasmen" unter der Bezeichnung Pseudopsora. Dort findet man auch eine sehr ausführliche Beschreibung der Sykose, die bei Hahnemann nur kurz beschrieben wird. Bei Allen findet man auch zum erstenmal die Beobachtung, daß Miasmen auf dem Vererbungswege weitergegeben werden. Die Pseudopsora wurde später als eigenständiges Miasma angesehen und als „Tuberkulinie“ bezeichnet.

Im ersten Band der „Chronischen Krankheiten“ stellte Hahnemann seine Beobachtungen ausführlich dar, während er in den folgenden vier Bänden die Symptomatik ihrer Arzneimittel ausführlich beschreibt. Hahnemann behauptet, dass chronische Erkrankungen nicht mit jeder homöopathischen Arznei geheilt werden können, sondern nur durch einige bestimmte Arzneien.

Die Miasmatheorie ist einer der umstrittensten Aspekte der Hahnemannschen Lehre, da sie insbesondere heutigen Erkenntnissen über Mikroorganismen direkt widerspricht. Zu Hahnemanns Zeiten war die Wirkung von Mikroorganismen als Krankheitserreger noch umstritten. Daher wird diese Theorie heute von vielen eher pragmatisch denkenden Homöopathen nicht mehr vertreten. Es gibt in Deutschland allerdings einige Schulen, die eine miasmatische Behandlung als unumgänglich ansehen, möchte man die chronischen Erkrankungen, die den akuten Erkrankungen zugrunde liegen sollen, endgültig heilen.

Literatur

  • John Henry Allen: Die chronischen Miasmen. Barthel & Barthel, 2000, ISBN 3039500481
  • Samuel Hahnemann: Die chronischen Krankheiten. Karl F. Haug Fachbuchverlag, 1995, ISBN 3830402643
  • Yves Laborde/Gerhard Risch: "Die hereditär chronischen Krankheiten."Verlag Müller & Steinicke München, ISBN 3-87569-129-6

Weblinks

Wiktionary: Miasma – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen

Wikipedia

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