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Dr. Thilo Traska,
Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie im Bethesda Krankenhaus Wuppertal
Autor: Dr. Thilo Traska, Viszeralchirurg
Schätzungsweise die Hälfte aller Deutschen über 50 Jahre leidet unter Hämorrhoiden oder hatte schon einmal Probleme damit. Das so genannte Hämorrhoidalleiden ist aber keine bedrohliche Erkrankung: Je früher die Therapie beginnt, desto besser sind die Hämorrhoiden zu behandeln.
Hämorrhoiden sind krampfaderartige Erweiterungen einzelner Abschnitte des Schwellkörpers (Corpus cavernosum recti) im Übergang vom Mast- zum Enddarm. Diese Abschnitte werden von Arterien und Venen versorgt. Die Gefäße unterstützen die Muskulatur, um einen sicheren Verschluss des Afters zu garantieren. In den Venen der Aftergegend können sich Blutgerinnsel oder Blutergüsse bilden. Diese werden im allgemeinen Sprachgebrauch manchmal als „äußere" Hämorrhoiden bezeichnet. Der Mediziner spricht von Perianalthrombosen.
Als typische Symptome gelten Hämatochezie (hellrotes Blut) auf dem Stuhl, dem Toilettenpapier oder in der Toilette, Druckgefühl, Brennen, Nässen, schleimige Ausscheidung, Pruritus (Afterjucken) nach dem Stuhlgang, Stuhlschmieren und Schmerzen, Entzündungen sowie Ekzeme oder Geschwüre am After. Im fortgeschrittenen Stadium klagen Patienten auch über Stuhl-Inkontinenz, also den Verlust der Fähigkeit, Stuhl und Darmwinde sicher zu halten. Viele Menschen mit Hämorrhoiden haben aber auch gar keine Beschwerden.
Der Fachmann unterscheidet bei einem Hämorrhoidalleiden vier Stadien:
Die typischen Beschwerden geben den entscheidenden Hinweis auf ein Hämorrhoidalleiden. Allerdings lassen sich die Symptome von Hämorrhoiden nicht sicher von denen anderer Erkrankungen, insbesondere von Darmkrebs, abgrenzen. Daher ist immer eine gründliche Abklärung und Diagnosestellung durch einen Facharzt notwendig, vor allem wenn sich Blutbeimengungen auf dem Stuhl befinden.
„Wenn sich Beschwerden bemerkbar machen, sollte umgehend ein Arzt zu Rate gezogen werden. Hemmungen und falsches Schamgefühl verzögern den Beginn einer Behandlung und können zu unnötigen Komplikationen führen.“
Nach Erhebung der Krankengeschichte mit Abfrage von Beschwerden und Blutauflagerungen nimmt der Facharzt in der Regel eine Tastuntersuchung mit dem Finger (Rektal-Palpation) vor, um die Muskelspannung des Schließmuskels zu prüfen und eventuelle Knoten aufzuspüren. Zu den weiteren Untersuchungsmethoden gehört auch eine Enddarmspiegelung (Rektoskopie). Um bei Blutungen einen bösartigen Tumor des Dickdarms auszuschließen, wird in manchen Fällen auch eine Darmspiegelung (Koloskopie) vorgenommen.
Als Erstes muss der Arzt testen, ob es tatsächlich um Hämorrhoiden oder um ein Blutgerinnsel am Afterrand (Perianalthrombose), einen entzündeten Verbindungsgang zwischen Darm und Haut (Fistel) oder um einen Riss in der Schleimhaut (Fissur) handelt. Der Arzt muss sich dann - je nach Stadium, den individuellen Befindlichkeiten und nicht zuletzt aufgrund seiner persönlichen Berufserfahrung - für eine Behandlungsmethode entscheiden.
Meistens reichen bei Hämorrhoiden des 1. und 2. Grades kleinere ambulante Eingriffe wie etwa eine Verödung (Sklerosierung nach Blond oder Blanchard), eine Infrarotbehandlung (Infrarotkoagulation), einer Gummibandligatur oder eine Vereisung (Kryohämorrhoidektomie) aus. Bei Hämorrhoiden ab 3. und 4. Grad kann meist nur noch eine Operation Abhilfe schaffen. In diesem Fall gibt es eine Reihe erprobter Methoden (nach Milligan-Morgan, Parks, Ferguson und Fansler-Arnold). Zu den neueren Methoden gehören vor allem die so genannte Stapler-Hämorrhoidopexie nach Longo oder die Dopplergesteuerte Hämorrhoidal-Arterien-Ligatur (HAL) nach Morinaga.
„Zur operativen Behandlung von Hämorrhoiden gibt es viele bewährte Methoden. Manche gelten als besonders schonend, sie hinterlassen nur wenige Wunden. Die Wahl der Methode bemisst sich an dem Stadium der Erkrankung. Patienten sollten sich individuell beraten lassen und gegebenenfalls eine zweite Stellungnahme einholen.“
Chirurgische Eingriffe bergen immer gewisse Risiken, zu denen üblicherweise postoperative Blutungen und Schmerzen zählen. In seltenen Fällen verengt sich durch Narbengewebe der Anus, was den Stuhlabgang erschweren kann. Diese Schließmuskelenge (Anal-Stenose) kann vorübergehend oder anhaltend sein. Ferner kann die Operation auch vorübergehend die Kontrolle des Stuhlgangs beeinträchtigen. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit der erneuten Bildung von Hämorrhoiden (Rezidiv).
Menschen, die Beschwerden verspüren, sollten umgehend einen Arzt konsultieren. Problematisch ist, dass sich immer noch viele Patienten scheuen, frühzeitig etwas zu unternehmen. Je weiter fortgeschritten aber das Hämorrhoidalleiden ist, desto schwieriger und aufwändiger wird die Therapie. Betroffene müssen daher auch selbst aktiv werden und auch die Therapie unterstützen. Sie verspricht auch nur dann Erfolg, wenn die Entstehung neuer Hämorrhoiden durch eine Änderung des Lebensstils vermieden wird.
Ernährung ist die wichtigste Maßnahme, um Hämorrhoiden zu vermeiden. Hierzu gehört vor allem eine ballaststoffreiche Ernährung (Vollkornbrot, Müsli, Weizenkleie, Sesam, Haferflocken, Obst mit Schale und Gemüse). Betroffene sollten Weißbrot, Schokolade, Reis, Teigwaren, Kartoffeln, schwarzen Tee und Früchte ohne Schalen oder andere Nahrungsmittel, die zu Verstopfung führen, vermeiden. Wichtig ist zudem, ausreichend zu trinken und sich viel zu bewegen. Vor allem sollte darauf geachtet werden, Abführmittel - auch natürliche oder pflanzliche Produkte - zu meiden.
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